Ärzte Zeitung, 05.08.2004

Bei Brustschmerz geht’s sofort zur Chest Pain Unit

Im Uniklinikum Heidelberg soll Therapie von Patienten mit unklaren Schmerzen im Thorax noch besser werden

HEIDELBERG (bd). Patienten mit unklaren Thoraxschmerzen werden an der Uniklinik in Heidelberg sofort in die Chest Pain Unit aufgenommen. Diese neue Einheit an der kardiologischen Abteilung hält rund um die Uhr hochqualifiziertes Fachpersonal und eine technische Ausstattung auf dem neuesten Stand - einschließlich eines neuen Kardio-MRT - bereit. Ziel ist es, Patienten so schnell wie möglich adäquat zu behandeln.

Patienten mit unklaren Thoraxschmerzen werden in Heidelberg jetzt als erstes hierher gebracht: In die neue Chest Pain Unit. Foto: Universität Heidelberg

Mit dem neuen Konzept gelinge es, die Zeit von der Diagnose eines Herzinfarktes bis zur Therapie mit dem Herzkatheter um mindestens eine halbe Stunde zu verkürzen, sagte der Ärztliche Direktor der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pulmologie Professor Hugo Katus bei der Vorstellung dieses für Deutschland beispielhaften Konzepts.

60 bis 70 Prozent aller Notfalleinweisungen betreffen unklare Thoraxschmerzen. Bei nicht einmal jedem zehnten Patienten kann die klare Diagnose eines Herzinfarkts mit ST-Strecken-Hebung im EKG gestellt werden. Bei einem Viertel finden sich diese EKG-Veränderungen nicht oder es liegt eine instabile Angina pectoris vor, und fast zwei Drittel haben unklare Thoraxschmerzen.

Um diese Patienten schnellstens auf den richtigen Behandlungspfad zu führen, wurde die Heidelberger Notfallstrategie entwickelt. Möglich wurde dieses Konzept durch den Umzug der Medizinischen Klinik in einen modernen Neubau, so Katus.

  Die Zeit von der Diagnose bis zur Therapie verkürzt sich um mindestens 30 Minuten.

Patienten mit unklarem Brustschmerz oder Verdacht auf Herzinfarkt werden mit dem Notarztwagen sofort in die Abteilung gebracht. Dort wird geklärt, ob es sich um einen Risiko-Patienten handelt. Für die Diagnostik steht moderne technische Ausstattung zur Verfügung. Dazu gehören Herz-Echo, EKG, die Überwachung der Sauerstoffsättigung, der Pulsfrequenz und des Blutdrucks sowie der Atemfunktion.

Die EKG-Aufzeichnungen der Patienten werden zentral von Kardiologen beurteilt. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Dienst. Neben einem ständig anwesenden kardiologischen Facharzt ist ein weiterer internistischer Kollege da sowie zwei oder in Spitzenzeiten drei Fachpflegekräfte.

Patienten mit einem geringen Risiko für einen Herzinfarkt oder andere schwerwiegende Komplikationen werden auf die Normalstation verlegt oder nach Hause entlassen. Falls nötig können Patienten bis zu zwölf Stunden auf den Überwachungsplätzen beobachtet werden. Patienten mit Herzinfarkt werden sofort in die nächsthöhere Überwachungsstufe - die Kardio- Wachstation oder Kardio-Intensivstation - verlegt.

Vier Katheterplätze befinden sich in der Unit. Nach Angaben von Privatdozent Thomas Dengler, Leiter der kardiologischen Ambulanz, kann dort bei entsprechender Indikation schon wenige Minuten nach der Einlieferung die lebensrettende Maßnahme beginnen.

Im Herzkatheterlabor steht auch der Kardio-Magnetresonanztomograph. "Für die Darstellung der Herzkranzgefäße ist der MRT dem Katheter noch unterlegen", sagt der Leiter der Chest Pain Unit, Dr. Evangelos Giannitsis, doch gebe die MRT-Untersuchung wichtige zusätzliche Informationen, um eine Aortendissektion, eine Myokarditis oder eine Lungenembolie auszuschließen.

Die Chest Pain Unit versteht sich auch als Center of Excellence, um zuweisenden Ärzten und Kliniken kompetenter Ansprechpartner zu sein. Dazu gehöre nicht nur die Notfallversorgung der Patienten mit Herzproblemen, sondern auch die Beratung ihrer Hausärzte, sagte Katus. Mit der Unit will er ein Netzwerk zur optimalen Versorgung dieser Patientenklientel schaffen und bundesweit Maßstäbe setzen.

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