Ärzte Zeitung, 25.02.2005

Viele Vorteile für abbaubare Stents aus Magnesium

BERLIN (gvg). Nach der Erfolgsgeschichte mit Wirkstoff-beschichteten Stents sind es jetzt Stents aus Magnesium, die die Kardiologenherzen höher schlagen lassen. Nach der Gefäßerweiterung verschwindet das Implantat im Laufe weniger Wochen von selbst, was eine ganze Reihe Vorteile hat.

Die sogenannten bioabbaubaren Magnesiumstents bestehen zu über neunzig Prozent aus Magnesium. Es wird zur Stabilisierung mit geringen Mengen anderer Metalle legiert, darunter mit solchen Exoten wie Zirkonium und Yttrium. Wie Professor Michael Haude vom Westdeutschen Herzzentrum in Essen berichtet hat, werden diese Stents innerhalb von wenigen Wochen vom Körper resorbiert.

Gutes angiographisches Ergebnis mit Magnesium-Stent

Bereits im vergangenen Jahr sei in Essen ein erster Patient in der proximalen rechten Kranzarterie mit einem solchen Magnesiumstent ausgestattet worden, so Haude auf einem Wokshop zur interventionellen Kardiologie an der Charité Berlin. Eine Verlaufskontrolle nach vier Wochen erbrachte ein gutes angiographisches Ergebnis. Im intravaskulären Ultraschall (IVUS) war der Stent zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nachweisbar.

"Magnesiumstents verursachen keine chronischen Entzündungsprozesse und führen nicht zu Restenosen im Stent", so Haude über einen der Pluspunkte dieser Gefäßimplantate. "Magnesiumstents haben außerdem den großen Vorteil, daß sie nicht zu Artefakten in der Magnetresonanztomographie führen". Damit bestehe künftig die interessante Möglichkeit einer nichtinvasiven Therapiekontrolle in MR-Technik.

Resorbierbare Stents lassen die natürliche Gefäßarchitektur intakt

Weil resorbierbare Stents die natürliche Gefäßarchitektur intakt lassen und auch zum Beispiel den Kardiochirurgen keine Ansatzstellen für Bypässe wegnehmen, könnte durch sie das in der Kardiologie kontrovers diskutierte Thema "Plaque-Sealing" wieder auf die Tagesordnung kommen. Darunter wird das prophylaktische Stenting von hämodynamisch nicht relevanten Stenosen bei Nachweis instabiler Plaques verstanden. Die moderne Bildgebung kann derartige Strukturen zunehmend besser darstellen.

Viele Kardiologen sind aber noch skeptisch bei der Vorstellung, die Herzkranzgefäße prophylaktisch mit Implantaten zu bestücken. Abbaubare Stents könnten diese Hemmschwelle senken.

Topics
Schlagworte
KHK / Herzinfarkt (2112)
Organisationen
Charité Berlin (3219)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So will Deutschland den Zuckerberg bezwingen

16:00 UhrZu viel und zu schlecht gekennzeichnet: Zucker versteckt sich in vielen Fertigprodukten. Das erschwert eine gesunde Ernährung. Die Politik will nun eingreifen. mehr »

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »