Ärzte Zeitung, 31.05.2005

Leitlinie für Koronarintervention berücksichtigt neue Stents

Mit Medikamenten beschichtete Stents sind aufgerückt / Kontrollierte Studien mit klinischen Endpunkten haben den Ausschlag gegeben

BERLIN (gvg). Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat erstmals eine Leitlinie für Koronarinterventionen vorgelegt. Berücksichtigt werden in der Leitlinie auch die neuen, mit Medikamenten beschichteten Stents.

Die Leitlinie wurde im März vorgestellt und jetzt auch von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie offiziell befürwortet. Hausärzten werden unter anderem Richtlinien für das Notfallmanagement von Patienten mit akutem Koronarsyndrom ohne ST-Hebungen im EKG gegeben.

Empfohlen wird die sofortige intravenöse Behandlung mit Acetylsalicylsäure (250 bis 500 Milligramm), außerdem die gewichtsadaptierte Therapie mit unfraktioniertem oder niedermolekularem Heparin. Plädiert wird auch für die Applikation einer Initialdosis Clopidogrel in Höhe von 300 bis 600 Milligramm oral noch durch den erstbehandelnden Arzt.

Das Sterberisiko bei einer eventuellen Bypassoperation werde durch die Vorbehandlung nicht negativ beeinflußt, so die Autoren der Leitlinie.

Von den neuen, mit Medikamenten beschichteten Stents werden jene in der Leitlinie genannt, für die bereits randomisierte, kontrollierte Studien mit klinischen Endpunkten vorliegen. "Das sind derzeit die mit Paclitaxel oder Sirolimus beschichteten Stents", so der Vorsitzende der Leitlinienkommission, Professor Sigmund Silber aus München.

Für Patienten mit neuen, unkomplizierten Stenosen in bisher nicht stenosierten Gefäßen würden diese Stents jetzt als primäre Option mit höchstem Evidenzgrad empfohlen, so Silber auf einer Veranstaltung des Berlin-Brandenburger Kardiologennetzes Innokardio. Denn für beide liege eine positive, randomisierte Multicenter-Studie mit klinischem Endpunkt vor. Weiteren Bedarf an kontrollierten Studien sehen die Experten für Diabetiker, für Patienten mit chronischen Gefäßverschlüssen, für kleine Gefäße und lange Läsionen.

Eine Bevorzugung des einen oder anderen Stent-Typs sei durch die derzeitige Studiensituation nicht gedeckt, betonte Silber auf der vom Unternehmen Boston Scientific unterstützten Veranstaltung, das den mit Paclitaxel beschichteten Taxus™-Stent im Programm hat.

Es gibt zwar insgesamt vier Vergleichsstudien der mit Paclitaxel oder mit Sirolimus beschichteten Stents. Eine Multicenterstudie mit ausreichender statistischer Kraft liege dazu derzeit aber nicht vor, bewertete der Kardiologe die Studienlage.

Die ESC-Leitlinie "Koronarinterventionen" im Internet: www.escardio.org

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »