Ärzte Zeitung, 24.08.2006

Alle NSAR erhöhen Herzinfarkt-Risiko moderat

Keine Unterschiede zwischen konventionellen NSAR und Cox-2-Hemmern / Ergebnis einer großen finnischen Studie

HELSINKI (ner). Sowohl konventionelle als auch selektive nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) erhöhen moderat das Herzinfarktrisiko. Das hat jetzt eine große Studie bestätigt. Dieser Klasseneffekt ist mit dem Absetzen der Mittel reversibel, berichten finnische Forscher.

In einer bevölkerungsbasierten Fallkontrollstudie auf der Grundlage von Registerdaten waren mehr als 33 000 Personen mit einem ersten Herzinfarkt mit fast 139 000 Personen ohne Herzinfarkt verglichen worden. Nach Angaben von Dr. Arja Helin-Salmivaara von der Universität Turku und ihren Kollegen erhöhte sich bei NSAR-Einnahme das Herzinfarkt-Risiko insgesamt moderat um das 1,4fache im Vergleich zu Personen ohne NSAR-Medikation (European Heart Journal 27, 2006, 1657).

Vergleiche einzelner Substanzen ergaben zwar etwas unterschiedliche Risikokonstellationen. So war zum Beispiel das Herzinfarkt-Risiko bei Einnahme von Celecoxib 1,1fach erhöht, bei Indometacin 1,6fach und bei Etoricoxib 2,2fach. Insgesamt konnte jedoch kein wesentlicher Unterschied zwischen konventionellen, semiselektiven und selektiven NSAR (Cox-2-Hemmern) festgestellt werden.

Keines der Medikamente war mit einem verminderten Herzinfarkt-Risiko assoziiert. Auch die Dauer der NSAR-Einnahme hatte keinen wesentlichen Einfluß auf das Herzinfarktrisiko. Je länger die NSAR jedoch wieder abgesetzt waren, desto geringer war das Herzinfarkt-Risiko, so Helin-Salmivaara und ihre Kollegen. Dies galt für alle Altersgruppen.

Kardiovaskuläre Effekte der NSAR-Medikation werden offenbar nicht durch die Selektivität der Cyclooxygenase-Hemmung bestimmt, meinen die Forscher, sondern womöglich durch eine Erhöhung des Blutdrucks - ein Effekt, der aus anderen Studien sowohl von selektiven als auch von nichtselektiven NSAR bekannt ist.

Bekanntlich steigt bereits bei geringen Blutdruckerhöhungen das kardiovaskuläre Risiko deutlich an. So bedeutet ab 115/75 mmHg jede Erhöhung des Blutdrucks um 20/10 mmHg eine Verdopplung des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »