Ärzte Zeitung, 02.11.2006

Effekte von Adipositas-Mittel auf KHK geprüft

Multicenterstudie zu Sibutramin-Therapie mit 9000 Übergewichtigen / Endpunkte sind kardiovaskuläre Ereignisse

KÖLN (CV). Bei Menschen mit Adipositas ist nicht nur eine Senkung des Gewichts, sondern auch des erhöhten kardiovaskulären Risikos wichtig. In einer Endpunktstudie wird nun geprüft, ob eine Behandlung mit dem Sättigungsverstärker Sibutramin auch die kardiovaskulären Morbiditäts- und Mortalitätsraten vermindert.

Dick macht krank. In einer Studie wird der Effekt einer medikamentösen Adipositas-Therapie geprüft. Foto: BilderBox

Adipöse Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Hypertonie, Dyslipoproteinämie und Diabetes mellitus. Die Erkrankungen bahnen den Weg für Herzinfarkt und Schlaganfall. Daran hat Professor Jürgen Scholze aus Berlin beim Adipositas-Kongreß in Köln erinnert.

Können Patienten mit Adipositas ihr Gewicht mit einer Veränderung des Lebensstils nicht nachhaltig reduzieren, so hält Scholze eine zusätzliche Medikation für indiziert. Geeignet sei Sibutramin (Reductil®). Der Wirkstoff hemmt im Gehirn selektiv die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, was das Sättigungsgefühl verstärkt.

Durch Ankurbeln der Thermogenese wird zudem der Grundumsatz gesteigert. "Der Wirkstoff hat interessante Effekte auf kardiovaskuläre Risikofaktoren", sagte Scholze auf einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott.

Studien zufolge sinken die Triglycerid-Spiegel während einer zweijährigen Behandlung um 19 Prozent. Parallel dazu steigt das HDL-Cholesterin um 21 Prozent. Bedeutsam ist nach Ansicht von Scholze außerdem, daß bei der Therapie mit dem Sättigungsverstärker besonders das viszerale Fettgewebe zurückgeht, die Insulinempfindlichkeit deutlich steigt und der HbA1c-Wert sinkt.

In seinen Studien hat Scholze ferner belegt, daß Sibutramin auch günstige Effekte auf den Blutdruck hat. Bei Normotonikern steigt er zwar leicht, anders aber sieht es Hypertonikern aus: "Bei ihnen sinkt der Blutdruck, und das um so stärker, je höher die Ausgangswerte sind", berichtete der Kollege aus Berlin.

Ob die Verringerung des Gewichts und einiger kardiovaskulärer Risikofaktoren auch die kardiovaskuläre Morbidität mindert, wird derzeit in SCOUT überprüft. Das Akronym bedeutet Sibutramin Cardiovascular Outcome Trial. Es handelt sich um eine groß angelegte Endpunktstudie zur medikamentösen Therapie bei Adipositas.

Mit etwa 9000 Teilnehmern aus 300 Zentren in 16 Nationen, bei denen kardiovaskulären Risiken bestehen, wird die Studie eine hohe Aussagekraft haben. Die Daten zu den primären Endpunkten (Rate an Herzinfarkten, Schlaganfällen, Herzinsuffizienz und plötzlichem Herztod) sollen in Kürze vorliegen.

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