Ärzte Zeitung, 28.03.2007

Sofortige Koronarintervention ist bei stabiler KHK kein Muss

Bei optimaler medikamentöser Therapie bietet zusätzliche Angioplastie plus Stent keinen Vorteil / Ergebnisse großer Vergleichsstudie vorgestellt

NEW ORLEANS (ob). Bei den meisten Patienten mit stabiler KHK besteht trotz Koronarstenosen keine zwingende Indikation für eine sofortige perkutane Koronarintervention. Denn im Vergleich zu einer leitliniengerechten medikamentösen Therapie hat die invasive Behandlung als initiale Option bei diesen Patienten prognostisch keinen Vorteil.

Zu diesem Ergebnis kommt die COURAGE*-Studie. Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse dieser Studie sind jetzt beim ACC-Kongress in New Orleans in den Vereinigten Staaten vorgestellt worden. Die Studie relativiert damit den vor allem unter Kardiologen weit verbreiteten Glauben, dass Koronarstenosen bei symptomatischer stabiler KHK unverzüglich beseitigt gehören, um Schaden für den Patienten zu vermeiden. Die Forschung belegt nun etwas anderes.

Für die COURAGE-Studie sind 2287 symptomatische KHK-Patienten mit dokumentierten Myokardischämien ausgewählt worden. Alle erhielten eine optimale medikamentöse Behandlung sowohl mit antianginösen (Kalziumantagonisten, Nitrate) als auch prognoseverbessernden Medikamenten (ASS, Betablocker, ACE-Hemmer, Statine). Zusätzlich zur optimierten Medikation ist die Hälfte der Patienten einer Koronarintervention mit Stent-Implantation zur Beseitigung bestehender Koronarstenosen unterzogen worden.

Die Erwartung war, dass die zusätzliche Koronarintervention Sterbe- und Herzinfarktrate weiter verringern würde erwies sich als falsch: Nach einer mittleren Beobachtungsdauer von 4,6 Jahren waren die Ereignisraten mit 19 Prozent (medikamentöse Therapie plus Koronarintervention) versus 18,5 Prozent (medikamentöse Therapie) in beiden Gruppen nahezu gleich, berichtete Studienleiter Professor William Boden. In beiden Gruppen kam es zu einem deutlichen Rückgang der pektanginösen Beschwerden, wobei die symptomatische Wirkung der invasiven Therapie zumindest anfänglich etwas stärker war. Doch auch die medikamentöse Therapie habe in dieser Hinsicht eine überraschend gute Wirksamkeit bewiesen, betonte Boden.

Welche Konsequenzen haben diese Ergebnisse für die Praxis? Nach Ansicht Bodens bestätigen die Daten die Leitlinien-Empfehlung, wonach die invasive Option bei stabiler KHK erst dann in Betracht kommen soll, wenn die Symptome medikamentös allein nicht mehr beherrschbar sind. Die medikamentöse Therapie könne nun den Patienten mit stabiler KHK als primäre Option mit der Gewissheit angeboten werden, dass keine Gefahr besteht, wenn auf die sofortige invasive Revaskularisation verzichtet wird.

Unberührt von diesen Ergebnissen bleibt der dokumentierte Nutzen der perkutanen Koronarintervention bei instabilen KHK-Patienten mit akutem Koronarsyndrom.

*COURAGE bedeutet Clinical Outcomes Utilizing Revascularization an Aggressive Drug Evaluation

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