Ärzte Zeitung, 16.11.2007

Bei alten Menschen fehlen im Notfall oft typische Symptome

Ein Fünftel der Patienten über 65 Jahre hat bei Herzinfarkt keine Brustschmerzen

DÜSSELDORF (mut). Ein Herzinfarkt und keinerlei Brustschmerzen? Bei Menschen über 65 Jahren ist das nicht die Ausnahme, sondern sogar die Regel. Auch in anderen Notfallsituationen sind die Symptome oft deutlich anders als bei jüngeren Patienten.

 Bei alten Menschen fehlen im Notfall oft typische Symptome

Rufen alte Patienten einen Arzt, ist Aufmerksamkeit angesagt, denn Notfälle verlaufen bei ihnen oft untypisch. Beispiel: Herzinfarkt ohne Brustschmerzen.

Foto: dpa

Nach Daten einer Patientenbefragung hat sich der Herzinfarkt nur bei einem Fünftel der Patienten über 65 Jahren mit Brustschmerzen angekündigt. Bei ebenfalls einem Fünftel stand Kurzatmigkeit im Vordergrund. Darauf hat Dr. Daniela Langner von der Medizinischen Hochschule Hannover hingewiesen. Werden Ärzte zu älteren oder geriatrischen Patienten gerufen, müssen sie vermehrt damit rechnen, dass Notfallsituationen vorliegen, auch wenn typische Symptome fehlen.

Die Allgemeinmedizinerin nannte auf dem Medica-Kongress in Düsseldorf als Beispiel etwa das stumme Abdomen. So fehlen bei alten Menschen mit einer perforierten Appendix oft die lokale Abwehrspannung und die Leukozytose. "Haben Patienten Beschwerden im Bauch und ist ihr klinischer Zustand dabei schlechter als sonst, veranlasse ich eine Sonografie", sagte Langner.

Ein ähnlich konsequentes Handeln forderte die Ärztin auch beim geringsten Verdacht auf Schlaganfall oder TIA. So sollten auch Patienten dringend in eine Klinik kommen, die beim Arztbesuch berichten, sie hätten vor kurzem vorübergehende Seh-, Sprach- oder Sensibilitätsstörungen gehabt. Langner erinnerte daran, dass viele alte Patienten mit einer TIA unbehandelt innerhalb einer Woche einen Schlaganfall bekommen. Das Problem sei jedoch, dass Patienten und Angehörige TIA-Symptome bagatellisieren. Langner wünscht sich daher eine gute öffentliche Kampagne zur Erkennung von Schlaganfall- und TIA-Symptomen.

Die Beschwerden alter Menschen nicht ernst zu nehmen - das sei jedoch auch ein Problem von Ärzten. So haben nach Daten einer Untersuchung 57 Prozent der Menschen über 70 lebensbedrohliche Symptome, wenn ein Notarzt gerufen wird.

Bei Menschen unter 70 Jahren ist das dagegen nur bei knapp 20 Prozent der Fall, sagte Professor Peter Sefrin aus Würzburg. Auch gebe es Statistiken, nach denen Notärzte bei Kindern schneller ausrücken als bei alten Menschen.

"Für diese Verzögerung gibt es jedoch keinerlei Rechtfertigung", sagte der Notfallmediziner. "Für einen alten Menschen gelten in einem Notfall dieselben Kriterien wie für ein Kind."

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[16.11.2007, 12:25:07]
Manfred Schneider 
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Meine Erfahrung betaetigt diesen Bericht. Mehr Sogfalt von all Denen in der medizinischen Notfallbetreuung ist verlangt und Notwendig wenn diese Misstaende verschwinden sollen!  zum Beitrag »

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