Ärzte Zeitung, 19.03.2008

Rauchverzicht senkt Herzinfarktrate stärker als Hochdruck-Therapie

Risikoreduktion beträgt in 20 Jahren 23 Prozent / 6800 Männer zu Lebensstil befragt 

LONDON (gvh). Der Verzicht auf Zigarettenrauchen trägt im Vergleich zur Reduktion anderer Risikofaktoren am stärksten zur Senkung des Herzinfarkt-Risikos bei. Der Nutzen ist viel größer als eine gute Einstellung des Blutdrucks und der Blutfettwerte, wie eine britische Studie ergeben hat.

Körperliche Aktivität hatte nur geringen Schutzeffekt fürs Herz.

Dr. Sarah L. Hardoon und ihre Kollegen untersuchten in der Studie The British Regional Heart Study (Circulation 117, 2008, 598) knapp 6800 Männer im Alter von 40 bis 59 Jahren aus ganz Großbritannien. Die Männer beantworteten sowohl zu Beginn der Studie, als auch nach 5, 13, 17 und 20 Jahren Fragen über ihren Zigaretten- und wöchentlichen Alkohol-Konsum, über körperliche Betätigung und ihr Körpergewicht. Zusätzlich wurden zu Beginn der Studie und nach 20 Jahren BMI, Blutdruck, Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin untersucht.

 Rauchverzicht senkt Herzinfarktrate stärker als Hochdruck-Therapie

Zigarette, nein danke! Mit ärztlicher Betreuung steigen die Chancen für einen Ausstieg aus der Sucht.

Foto: ill

Die Ergebnisse der Studie:

  • Herzinfarktrisiko: Das altersabhängige Risiko für einen ersten Myokardinfarkt hat sich in 20 Jahren mehr als halbiert. Seit dem Jahre 1978 sank das relative Risiko um 62 Prozent. In der Altersgruppe der 60 bis 64-Jährigen zum Beispiel sank die Zahl der Herzinfarkte pro 1000 Personenjahre von 11,2 auf 5,1.
  • Zigarettenkonsum: Die abnehmende Zahl der Raucher trägt am stärksten zu dieser Entwicklung bei. 23 Prozent der beobachteten Risikoabnahme lassen sich darauf zurückführen.
  • Blutdruck/Blutfette: Eine bessere Blutdruckeinstellung hat das Infarktrisiko um etwa 13 Prozent gesenkt, höhere HDL-Werte um 12 Prozent und Veränderungen beim nicht-HDL-Cholesterin haben einen Anteil von etwa 10 Prozent.
  • Bewegung/Alkoholkonsum: Kör-perliche Aktivität trugen mit fünf Prozent und Alkoholkonsum mit einem Prozent nur geringfügig zur Risikoabnahme für einen ersten Myokardinfarkt bei.
  • BMI: Der BMI der Männer nahm im Verlauf der 25 Jahre zu und trug eher zur Risikoerhöhung bei (sieben Prozent Risikozunahme).

Das bedeutet: Die vier Faktoren Zigarettenkonsum, systolischer Blutdruck, nicht-HDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin haben statistisch signifikant zur Reduktion des Herzinfarktrisikos beigetragen und erklären damit 46 Prozent der beobachteten Risikoabnahme. In der Studie wurde allerdings nicht unterschieden, ob Verbesserungen bei den Risikofaktoren - besonders bei Blutdruck und Blutfetten - einer medikamentösen Behandlung oder der Änderung des Lebensstils zu verdanken sind.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

14:10 Nach der knappen Abstimmung pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Parteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. KBV und Hartmannbund reagieren skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »