Ärzte Zeitung, 29.05.2008

KOMMENTAR

Unwissenheit kann tödlich sein

Von Michael Hubert

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, sagen Juristen. Unwissenheit kann tödlich sein, sagen Kardiologen. Denn jeder zweite Patient, der schon einen Herzinfarkt hatte, weiß zu wenig über Herzinfarkt-Symptome und was im Falle eines Falles zu tun ist. Das hat zumindest eine Studie aus den USA, Australien und Neuseeland ergeben. Was aufhorchen lässt: Nur jeder zweite Patient wurde umfassend informiert.

Sind also wieder einmal die Hauärzte gefragt? Ja - aber nicht nur. Zur Betreuung nach einem Herzinfarkt oder auch einer Bypass-Op ist natürlich die konsequente Erinnerung an die weiter bestehenden Herzrisiken wichtig. Patienten neigen sonst zum Glauben, nun sei alles überstanden und wieder im grünen Bereich. Das Eintrichtern der Infarktsymptome gehört dazu. Davon können besonders Patienten mit geringer Bildung profitieren, denn bei ihnen waren die Kenntnisse besonders gering.

Gefragt sind aber auch Institutionen, Medien und die Politik. So haben gezielte Aufklärungskampagnen das Wissen von Frauen in den USA über ihre häufig unspezifischen Infarktsymptome deutlich erhöht. In Deutschland bietet die Herzstiftung umfangreiches Infomaterial an, auch zum Herunterladen. Für nachhaltige Effekte aber sind konzertierte Aktionen nötig. Gesetze wie das Präventionsgesetz allein bringen gar nichts, wenn am Ende - wie so oft - alles an den Ärzten hängen bleibt. Aufklärung kostet Geld und das muss die Politik bereitstellen.

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