Ärzte Zeitung online, 30.10.2008

Geheim entwickelter Prototyp für neues Kunstherz weckt Hoffnung

Paris/Freiburg (dpa). Ein in Frankreich unter größter Geheimhaltung entwickeltes Kunstherz sorgt weltweit für Aufsehen. "Wir hoffen alle, dass es besser ist als die bisherigen Systeme", sagte der Freiburger Universitätsprofessor und Herzexperte Friedhelm Beyersdorf.

Das Projekt des französischen Kollegen Professor Alain Carpentier beruhe nach den bislang verfügbaren Informationen auf einem "sehr guten Ansatz". Bislang gibt es nach Angaben von Beyersdorf keine Kunstherzen, die das alte Organ über einen langen Zeitraum komplett ersetzen könnten. Die beiden derzeit verfügbaren Systeme hielten in der Regel lediglich ein bis zwei Jahre.

Das von einem Team um Carpentier in jahrelanger geheimer Forschungsarbeit hergestellte Kunstherz soll vor allem Patienten helfen, die an den Folgen eines schwerwiegenden Herzinfarkts oder Herzversagen im Endstadium leiden. Es ersetze das eigene Organ komplett und werde bis auf eine Außenverbindung für die Energiezufuhr vollständig implantierbar sein, teilte das zur Weiterentwicklung und Vermarktung gegründete Unternehmen Carmat SAS mit. Zu den Unterstützern und Mitgründern von Carmat SAS gehören unter anderem der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und die staatliche französische Innovationsagentur OSEO.

Der Prototyp durchläuft nach Angaben von Carmat SAS derzeit vorklinische Tests. Besonders sei, dass sich das künstliche Organ in seiner Anatomie und Funktionsweise dem ursprünglichen Herzen anpasse. Unter anderem Herzfrequenz und Blutfluss würden sich automatisch entsprechend der physiologischen Bedürfnisse des Patienten regeln.

Nach Angaben von Herzchirurg Beyersdorf dürfte das neue Kunstherz zudem in der Lage sein, wirkungsvoll vor gefährlichen Gerinseln zu schützen. Problematisch sei nur, dass die verwendeten Herzklappen eventuell nicht besonders langlebig seien. Nach der Zulassung der französischen Aufsichtsbehörde für medizinische Produkte soll der Prototyp des künstlichen Herzens demnächst bei lebensbedrohlich erkrankten Patienten erprobt werden, für die keine andere Behandlung mehr zur Verfügung steht.

Der französische Mediziner Carpentier arbeitete in der Vergangenheit bereits an der Entwicklung von künstlichen Mitral- und Aortaklappen mit. Diese verlängern heute das Leben von Millionen herzkranken Menschen. 1998 gelang dem Lasker-Preisträger zudem die erste Operation am offenen Herzen mit Roboter-Hilfe. "Dass er auch an einem Kunstherzen arbeitet, wusste selbst in der Szene niemand", sagte Beyersdorf, der wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Herzstiftung ist.

Das weltweit erste Kunstherz, das das eigene Organ vollständig ersetzt und ohne Schläuche oder Drähte nach außen auskommt, war 2006 von der US-Arzneibehörde FDA zugelassen worden.

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