Ärzte Zeitung online, 06.01.2009

Knacks nach Infarkt verkürzt das Leben

MÜNCHEN (run). Wird ein Herzinfarkt-Erlebnis von Patienten psychisch nicht gut verarbeitet, erhöht das ihr Risiko, früher zu sterben verglichen zu Infarkt-Patienten ohne eine posttraumatische Belastungsstörung. Zu diesem Ergebnis sind Münchner Forscher in einer Studie mit 147 Patienten gekommen.

Knacks nach Infarkt verkürzt das Leben

Foto: DAK/Wigger

Bei der gemeinsamen Untersuchung von Forschern des Helmholtz Zentrum München, der TU München sowie des Deutschen Herzzentrums wurde der Gesundheitszustand von Patienten, die nach einem Herzinfarkt zur Vorbeugung eines erneuten Herzstillstands einen Defibrillator erhalten hatten, fünf Jahre lang nachverfolgt. Zu Beginn seien die Patienten eingehend danach befragt worden, wie sie die dramatische Erkrankung seelisch verkraftet hätten, erläutert Studienleiter Professor Karl-Heinz Ladwig in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrum München. Dabei sei vor allem nach Symptomen, die typischerweise bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auftreten, gefahndet worden, etwa angstvolle, sich aufdrängende bohrende Erinnerungen an das lebensbedrohliche Geschehen, Vermeidung von Verhaltensweisen, die an das Ereignis erinnerten oder eine nach dem Ereignis aufgetretene gesteigerte nervöse Unruhe oder Hypervigilanz.

Die Auswertung ergab: Patienten, die in einem dauerhaft angstvoll-angespannten Zustand lebten, wiesen ein 3,5-fach erhöhtes Risiko auf früher zu sterben als Patienten, die sich mit ihrer Erkrankung hatten arrangieren können (Arch Gen Psychiatry 65, 2008, 1324). Ausgedrückt als absolutes Risiko würde das beideuten, dass verglichen mit unauffälligen Patienten, bei denen mit 55 Todesfällen pro 1000 Patientenjahren gerechnet werden muss, bei Patienten mit PTBS mit 80 Todesfällen pro 1000 Patienten Jahren gerechnet werden muss. Das Ergebnis sei unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Altern oder Auswurffraktion des Herzens gewesen, so die Wissenschaftler. Als Konsequenz aus ihrer Studie fordern sie das bei Patienten nach einem Herzinfarkt verstärkt auf eine stabile psychische Gesundheit geachtet werden müsse.

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