Ärzte Zeitung online, 02.10.2009

Täglich 1000 Tote in Europa nach erfolgloser Reanimation

KÖLN (dpa). Täglich sterben in Europa etwa 1000 Menschen, weil sie nicht erfolgreich reanimiert werden. "1000 Tote am Tag, das ist so, als würden jeden Tag in Europa zwei Jumbo-Jets abstürzen, ohne dass es Überlebende gibt", sagte Professor Bernd Böttiger, Direktor der Anästhesie an der Kölner Uniklinik und Präsident der europäischen Wiederbelebungsgesellschaft (ERC), der dpa. Die Wiederbelebung ist Thema eines internationalen Kongresses in Köln, der am Freitag begonnen hat.

Nach einem plötzlichen Herztod besteht zwar die Möglichkeit zur Reanimation, doch für viele Betroffene kommen die lebensrettenden Maßnahmen der Rettungssanitäter zu spät. "Das Hirn und das Herz haben eine sehr kurze Wiederbelebungszeit, man braucht sofort Hilfe", erklärte Böttiger. Viele Menschen scheuten jedoch davor zurück, weil sie Angst hätten, etwas falsch zu machen - zu Unrecht, wie Böttiger meint: "Eine erste Herzmassage mit 100 Druckstößen pro Minute auf die Brust ist lebenswichtig. Man kann nichts falsch machen." Doch nach dem verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein beschäftigen sich nur noch wenige Menschen weiter mit dem Thema.

Auch in der Forschung gehe es eher langsam voran. "Es wird wenig geforscht, weil die Notwendigkeit der Ersten Hilfe wenig plakativ ist", sagte Böttiger. Um das zu ändern, müssten klare Impulse kommen. Kurzfilme auf Bildschirmen in U-Bahnen und im Fernsehen sollten die Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie Leben retten können.

Neben gezielten Schulungen sollen auch neue Technologien zur lebensrettenden Ersten Hilfe beitragen. So soll es bald möglich sein, nach dem Notruf per SMS die einzelnen Schritte der Reanimation zu erhalten. Böttiger: "Wenn man Menschenleben retten kann, zählt jeder Versuch."

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