Ärzte Zeitung online, 19.08.2010

Rotes Fleisch lässt das Herzinfarkt-Risiko steigen

BOSTON (ob). Häufiger Verzehr von rotem Fleisch vom Rind, Schwein oder Lamm erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine koronare Herzkrankheit (KHK) entwickelt. Wer stattdessen öfter Hühnchen, Fisch und vor allem Nüsse als Quelle von Nahrungsproteinen auf den Speiseplan setzt, senkt dagegen sein Koronarrisiko.

Rotes Fleisch lässt das Herzinfarkt-Risiko steigen

Geflügel und Fisch, dazu idealerweise noch Nüsse, und das Koronarrisiko sinkt.

© martinlee / fotolia.com

Dafür sprechen neueste Ergebnisse der laufenden Nurses' Health Study, die ein Forscherteam um Dr. Adam Bernstein Harvard-Universität in Boston jetzt online im Fachblatt "Circulation" publiziert wurden.

In dieser mittlerweile durch viele Veröffentlichungen berühmt gewordenen Beobachtungsstudie werden sein 1976 regelmäßig Gesundheitsdaten von mehr als 120 000 US-amerikanischen Krankenschwestern erhoben, die bei Eintritt in die Studie 30 bis 55 Jahre alt waren. Seit 1980 werden zudem in vierjährigen Abständen per standardisiertem Fragebogen die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmerinnen genau erfasst.

Der aktuellen Analyse liegen die in einem Beobachtungszeitraum von 26 Jahren (1980 bis 2006) erhobenen Daten von insgesamt 84 136 Frauen zugrunde. In dieser Zeit registrierten die Untersucher 2210 aufgetretene nichttödliche Myokardinfarkte und 952 KHK-bedingte Todesfälle.

Die Analyse ergab, dass ein vermehrter Konsum von rotem Fleisch und fettreichen Milchprodukten mit einem signifikant erhöhten Risiko für eine KHK-Entwicklung assoziiert war. Bei einer an Geflügel, Fisch und Nüssen reichen Ernährung bot sich ein umgekehrtes Bild: Kamen diese Produkte häufig auf den Teller, war das KHK-Risiko signifikant niedriger.

In einer statistischen Modellanalyse errechneten die Untersucher dann, wie sich das Koronarrisiko verändern würde, wenn statt einer täglichen Portion rotes Fleisch eine Portion der gesünderen Nahrungsproteinlieferanten bei entsprechendem Kaloriengehalt verzehrt wird.

Ergebnis: Bei Ersatz von Fleisch durch Nüsse würde sich das KHK-Risiko um 30 Prozent verringern. Käme statt Fleisch Fisch auf den Tisch, würde dies das Koronarrisiko um 24 Prozent reduzieren. Geflügel statt Fleisch auf dem Teller brächte rechnerisch eine Risikoreduktion um 19 Prozent und eine Portion fettarme Milchprodukte immerhin noch eine Abnahme um 13 Prozent.

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