Ärzte Zeitung online, 01.09.2010

Herzinfarkt im Skiurlaub - ein reales Risiko?

Herzinfarkt im Skiurlaub - ein reales Risiko?

STOCKHOLM (ob). Skifahrer, die sich im Winterurlaub ohne ausreichende Trainingsvorbereitung gleich sportliche Höchstbelastungen auf der Piste zumuten, müssen aufpassen: Es könnte ein Herzinfarkt drohen.

Das erhöhte Herzinfarkt-Risiko legen neue Studiendaten einer Gruppe von Innsbrucker Kardiologen nahe, die Dr. Gert Klug beim Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm vorgestellt hat.

Herzinfarkt im Skiurlaub - ein reales Risiko?

Vorsicht Herz! Bei untrainierten Skifahrern ist das Infarktrisiko bei Höchstbelastungen erhöht.

© Niceshot / fotolia.com

Etwa 40 Prozent aller Todesfälle bei Wintersporttouristen in den österreichischen Alpen sind auf den plötzlichen Herztod - meist als Folge eines Herzinfarkts - zurückzuführen, berichtete Klug. Seine Arbeitsgruppe hat jetzt in einer Studie untersucht, welche besonderen Umstände dabei von Bedeutung sind.

Unter den mehr als 1500 Patienten, die zwischen 2006 und 2010 mit akutem Myokardinfarkt in das Innsbrucker Uniklinikum eingeliefert worden waren, hat die Gruppe 170 Patienten ausgemacht, bei denen dieses Ereignis während eines Wintersporturlaubs auftrat. Die meisten Betroffenen waren Urlauber aus Deutschland und Holland. Bei 110 Patienten konnten per Befragung persönliche Daten sowie Auskünfte über die Umstände des Infarktereignisses eingeholt werde.

Deren Analyse ergab, dass sich die meisten Herzinfarkte schon am ersten oder zweiten Tag nach Beginn der sportlichen Aktivität auf der Piste ereignet hatten. Nur bei 19 Prozent der Patienten waren bereits zuvor aufgetretene Herzprobleme bekannt, bei den Übrigen kam der Herzinfarkt "aus heiterem Himmel".

Bei etwa 50 Prozent der Befragten stellte sich heraus, dass sie sich vor dem Winterurlaub körperlich weniger bewegt hatten. Möglicherweise, so Klug, kommt auch die Höhe als potenzieller Einflussfaktor hinzu: Während der Wohnort der befragten Infarktpatienten im Schnitt auf einer Meereshöhe von rund 170 Meter lag, ereigneten sich die Herzinfarkte in einer durchschnittlichen Höhe von 1347 Metern.

Absolut betrachtet hält sich das Infarktrisiko der Winterurlauber in den Tiroler Alpen allerdings in Grenzen: Gemessen an der Tatsache, dass im Beobachtungszeitraum Millionen von Skitouristen Urlaub in der Region gemacht haben, ist die Zahl der registrierten Herzinfarkte doch vergleichsweise klein. Gleichwohl empfehlen Klug und seine Kollegen, sich auf einen solchen Urlaub durch regelmäßiges Bewegungstraining adäquat vorzubereiten und es - vor allem bei bestehenden Risikofaktoren - gerade in den ersten Tagen mit der körperlichen Anstrengung nicht zu übertreiben.

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