Ärzte Zeitung online, 07.10.2010
 

Hohes "Restrisiko" nach akutem Koronarsyndrom

EDINBURGH (ob). Nach akutem Koronarsyndrom besteht für die Betroffenen auf längere Sicht ein hohes Risiko für tödliche und nicht tödliche kardiovaskuläre Ereignisse, belegen neue 5-Jahres-Daten aus einem großen Register. Ihre Analyse führte jetzt zu sehr überraschenden Erkenntnissen.

Hohes "Restrisiko" nach akutem Koronarsyndrom

In der GRACE-Studie gab es überraschende Ergebnisse für Patienten mit STEMI und Patienten mit NSTEMI.

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Das akute Koronarsyndrom (ACS) kann sich klinisch als Myokardinfarkt mit oder ohne ST-Streckenhebung (STEMI oder NSTEMI) oder als instabile Angina pectoris (ACS ohne Troponin-Erhöhung) manifestieren. Zur Letalität und Morbidität in der Frühphase nach dem Akutereignis gibt es umfangreiche Untersuchungen. Unsicher ist man sich aber mangels Daten noch bei der Frage, welche Langzeitfolgen das ACS etwa in Abhängigkeit von seinen klinischen Manifestationsformen hat.

Ein Forscherteam um Professor Kim A. A. Fox aus Edinburgh hat deshalb in Langzeitdaten des multinationalen GRACE-Registers (Global Registry of Coronary Events) nach Antworten gesucht. Dieses große Register sollte unter anderem Aufschluss über die Art der Behandlung und die Prognose von KHK-Patienten mit ACS im Praxisalltag bringen. Für die aktuelle Analyse sind die in einem fünfjährigen Beobachtungszeitraum erhobenen Daten von rund 3700 GRACE-Teilnehmern in Großbritannien und Belgien herangezogen worden (European Heart Journal online).

Das erste überraschende Ergebnis: Trotz einer zumeist intensiven sekundärpräventiven Therapie gemäß den Leitlinien war die Mortalitätsrate nach fünf Jahren mit knapp 20 Prozent relativ hoch.

Das zweite überraschende Ergebnis: Für das langfristige Mortalitätsrisiko spielte es keine Rolle, ob das initiale Ereignis ein STEMI, ein NSTEMI oder instabile Angina pectoris war.

Fünf Jahre nach einem STEMI waren 19 Prozent aller Patienten gestorben. Bei den NSTEMI-Patienten war die Mortalitätsrate zu diesem Zeitpunkt mit 22 Prozent sogar noch höher, bei Patienten mit instabiler Angina pectoris als initialem ACS-Ereignis betrug sie 17 Prozent.

Dieses Ergebnis haben wohl nicht nur die GRACE-Untersucher so nicht erwartet. Die herrschende Vorstellung ist ja, dass die Myokardschädigung beim STEMI ausgeprägter und das Risiko deshalb höher als beim NSTEMI ist. In der Frühphase nach ACS entsprach diese Vorstellung auch der Realität in GRACE: Während der Behandlung in der Klinik war die Sterberate bei Patienten mit STEMI höher als bei Patienten mit NSTEMI.

In der Folgezeit änderte sich aber das Bild: Während in der Gruppe mit STEMI rund zwei Drittel (68 Prozent) aller insgesamt registrierten Ereignisse in der Zeit nach der Klinikentlassung auftraten, waren es in der Gruppe mit NSTEMI 86 Prozent und in der Gruppe mit instabiler Angina pectoris sogar 97 Prozent.

Im Übrigen stieg im Langzeitverlauf nicht nur die Zahl der Todesfälle deutlich an: Auch die kardiovaskuläre Morbidität erwies sich als hoch, wie die Raten für Myokardinfarkte (9,3 Prozent) und Schlaganfälle (7,7 Prozent) und Revaskularisationen (17 Prozent) verdeutlichen.

Die GRACE-Autoren folgern aus diesen Ergebnissen: Nach Fortschritten in der - inzwischen sehr erfolgreichen - Akuttherapie bei ACS-Patienten sei es angesichts der dokumentierten Langzeitrisiken an der Zeit, den Blick stärker auf die Verbesserung der langfristigen sekundärpräventiven Behandlung dieser Patienten zu richten.

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