Ärzte Zeitung online, 23.12.2010

Familiäre Sorgen gefährden das Herz

KOPENHAGEN (ars). Wer starken familiären Anforderungen und Sorgen ausgesetzt ist, hat offenbar ein erhöhtes Risiko für Angina pectoris. Diesen Zusammenhang haben dänische Forscher ermittelt.

Familiäre Sorgen gefährden das Herz

Familiäre Sorgen und Probleme und Stress in Beziehungen sind offenbar ein Risiko dafür, Angina pectoris zu bekommen.

© runzelkorn / fotolia.com

Ausgangspunkt ihrer Untersuchung waren frühere Studien, wonach zufriedenstellende persönliche Beziehungen vor Herzkrankheiten schützen. Deshalb wollten die Autoren um Dr. Rikke Lund aus Kopenhagen klären, ob auch das Gegenteil zutrifft. Dazu befragten sie knapp 4600 Männer und Frauen im Alter zwischen 40 und 50. Zu Beginn der Studie hatte keiner von ihnen Herzbeschwerden (Epidemiology and Community Health online).

Sechs Jahre später erhoben die Wissenschaftler erneut den Herzstatus sowie die Qualität der persönlichen Beziehung zu Partner, Kindern, anderen Verwandten, Freunden und Nachbarn. Für jede dieser fünf Kategorien sollten die Studienteilnehmer einschätzen, wie groß die damit verbundenen Anforderungen und Sorgen waren, ob sie mit den betreffenden Personen Konflikte hätten und wie oft. Außerdem wurden sie um Angaben gebeten, wieviel Unterstützung - praktische und emotionale - ihnen diese Menschen zuteil werden ließen.

Die Ergebnisse: Nach Ablauf der Studie hatte jeder Zehnte - Männer wie Frauen - Symptome von Angina pectoris, dem Vorläufer einer koronaren Herzkrankheit. Besonders gehäuft traten die Beschwerden bei Teilnehmern auf, die älter als 50, weniger wohlhabend oder depressiv waren.

Darüber hinaus waren schwierige Beziehungen allgemein mit einer gesteigerten Anfälligkeit für Angina-pectoris verknüpft. Aufgeschlüsselt nach den fünf Kategorien stellte sich heraus: Am stärksten erhöht - und zwar um das 3,5-Fache - war das Risiko bei anstrengenden Beziehungen zum Partner, gefolgt von Schwierigkeiten mit den Kindern: Das bedeutete ein zweifach höheres Risiko. Ähnlich wirkten sich große Anforderungen oder Sorgen um andere Familienmitglieder aus, wogegen Probleme mit Freunden und Nachbarn nur einen vernachlässigbaren Faktor darstellten. Allgemein galt: Je ausgeprägter die Sorgen waren, um so größer war auch die Angina-pectoris-Gefahr.

Aber nicht nur Sorgen schlagen aufs Herz, sondern auch Streit. Allerdings nicht Konflikte mit Kindern, Freunden und entfernteren Verwandten, sondern mit dem Partner (um 44 Prozent erhöhtes Angina-pectoris-Risiko) und vor allem mit den Nachbarn (um 60 Prozent).

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