Ärzte Zeitung, 09.04.2011

Ansatz zum Schutz vor Herzschwäche nach dem Infarkt

NEU-ISENBURG (eb). Bisher machte man sie für chronische Herzschwäche verantwortlich, jetzt haben Forscher sie auch als Bösewichte beim Herzinfarkt identifiziert: Mineralocorticoid-Rezeptoren in Herzmuskelzellen.

Forscher der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konnten gemeinsam mit Würzburger und Heidelberger Kollegen erstmals zeigen, dass das Ausschalten dieser Rezeptoren vor der Herzschwäche nach einem Herzinfarkt schützt (Circulation 2011; 123: 400).

Bei einem akuten Herzinfarkt wird umgehend im Herzkatheterlabor das okkludierte Kranzgefäß wiedereröffnet. Dies kann jedoch eine Herzschwäche oft nicht verhindern, da schon nach wenigen Stunden viele Herzmuskelzellen sterben und nicht mehr regenerieren. Ist das Herz erst einmal geschwächt, gibt es derzeit bekanntlich keine Hoffnung auf Heilung.

"Bisher haben wir nur Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und dazu führen, dass die Patienten länger leben", wird Professor Johann Bauersachs, Direktor der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, in einer Mitteilung der MHH zitiert.

Auch Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten bewirken bei chronischer Herzschwäche positive Effekte. Doch war bisher unklar, ob dabei Mineralocorticoid-Rezeptoren (MR) am Herzen eine vermittelnde Rolle spielen und ob eine frühe Behandlung nach einem Infarkt eine Herzschwäche verhindern kann.

Das Team um Bauersachs konnte nun zeigen, dass MR in Herzmuskelzellen für viele negative Prozesse nach einem Herzinfarkt verantwortlich sind. Schalteten die Forscher die Rezeptoren bei Mäusen aus, folgten nach einem Herzinfarkt seltener eine Erweiterung des Herzens und eine Herzschwäche.

Schnell nach dem Infarkt war zu sehen, dass weniger Herzmuskelzellen starben, sich die Infarktnarbe weniger ausdehnte und die Pumpfunktion des Herzens besser erhalten blieb.

"Die Ergebnisse lassen uns auf eine bessere Therapie nach Herzinfarkt hoffen, die einer Herzschwäche vorbeugen kann", so Bauersachs. In einer Studie mit Patienten mit frischem Herzinfarkt untersuchen die Forscher nun den Effekt einer sofortigen Gabe eines MR-Antagonisten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Herzschutz-Effekt durch spezielle Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren hat in der REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum Welt-Diabetestag am 14. November zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine entsprechende gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »