Ärzte Zeitung online, 01.09.2011

Wer sich häufig ärgert, stirbt früher

PARIS (eb). Herzinfarkt-Patienten die sich oft aufregen oder gestresst sind, haben eine besonders schlechte Prognose. Das sind die Ergebnisse einer Zehn-Jahres-Studie des Instituts für Klinische Physiologie in Pisa in Italien, die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) vorgestellt wurde.

Wer sich häufig ärgert, stirbt früher

Ärgerlich: Nach einem Herzinfarkt kein guter Rat.

© Phototom / fotolia.com

Negative Emotionen wie Feindseligkeit, Wut, Depressionen, Angst und soziale Isolation sind Herz-schädigend, während positive Gefühle wie Phantasie, Mitgefühl und spirituelle Interessen das Herz schützen, berichten die Forscher.

Die Studie mit 228 Teilnehmern aus 13 italienischen Herzstationen, die zwischen 1990 und 1995 einen Herzinfarkt erlitten hatten, untersuchte den Einfluss von Verhaltensmustern auf die Prognose der Infarkt-Patienten.

Die Patienten wurden zunächst einem Persönlichkeitstest (Cattells Sixteen Personality Factors Questionnaire and Psy Inventory) unterzogen und dann zehn Jahre lang beobachtet, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

In dieser Zeit gab es 51 kardiale Ereignisse wie einen neuerlichen Herzinfarkt. Mithilfe eines statistischen Analyseverfahrens (Cox Modell) untersuchten die Studienautoren, welche Faktoren (etwa Alter, Geschlecht, psychische Faktoren, klinische Daten) eine Vorhersage dieser Ereignisse ermöglichten.

Die Ergebnisse zeigten, dass das in besonders hohem Ausmaß auf Ärger- und Stress-bezogene Störungen zutraf.

Patienten mit einem hohen Niveau von Ärger und Wut hatten ein 2,3fach höheres Risiko als Patienten die sich wenig ärgerten. Bei Menschen mit einem hohen Stress-Niveau betrug das Risiko das 1,9fache gegenüber jenen mit wenig Stress.

Während unter den Patienten, die sich wenig ärgerten, 78,5 Prozent in zehn Jahren keinen weiteren Herzinfarkt hatten, waren es unter denen mit einem hohen Wut- und Ärger-Niveau nur 57,4 Prozent.

"Diese Zusammenhänge sind bedeutsam für Patienten nach einem akuten Herzinfarkt mit ihrer speziellen Verletzlichkeit und ihrem erhöhten Risiko. Die gute Nachricht ist, dass diese Patienten die Chance haben, ihr Verhalten zu ändern", so Studienleiter Dr. Franco Bonaguidi.

"Das ist ein günstiger Zeitpunkt für psychologische Interventionen und Verhaltenstherapie, wenn Patienten dies brauchen.”

Diese Ergebnisse, so die Studienautoren, legen die Notwendigkeit eines multidimensionalen therapeutischen Zugangs nahe, der außer körperlicher und medikamentöser Therapie auch eine psychotherapeutische Behandlung einschließt.

Diese sollte nicht nur gegen übertriebene Wut und Ärger gerichtet sein, sondern auch tiefer liegenden Schmerz, der sich häufig in Wut und Ärger ausdrückt.

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