Ärzte Zeitung online, 28.11.2011

Zu viel Salz ist schlecht - zu wenig auch

Die Kontroverse über Risiken des Salzkonsums erhält weitere Nahrung: Neuen Studiendaten zufolge erhöht eine hohe, aber ebenso eine niedrige Natriumzufuhr das kardiovaskuläre Risiko. Am geringsten war das Risiko bei einer Natriumzufuhr, die nach derzeitigen Empfehlungen eigentlich viel zu hoch ist.

Zu viel Salz ist schlecht - zu wenig auch

Eine Studie mit knapp 30.000 Teilnehmern ergab: Zu viel, aber auch zu wenig Salz erhöht das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis.

© Jiri Hera / shutterstock

HAMILTON (ob). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) drängt darauf, zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit den Natriumgehalt in der Nahrung zu reduzieren.

Sie empfiehlt eine Aufnahme von weniger als 2 g Natrium pro Tag, was einer Menge von weniger als 5 g Kochsalz entspricht.

Nach jetzt publizierten Ergebnissen einer großen Beobachtungsstudie befände man sich damit aber bereits mitten in einer Gefahrenzone für vermehrte kardiovaskuläre Ereignisse (JAMA 2011; 306: 2229).

Natrium und Kalium im Urin gemessen

Grundlage dieser Studie bilden Daten aus zwei Studien (ONTARGET/TRANSCEND) zur Wirksamkeit von Telmisartan bei Risikopatienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und/oder Diabetes.

Bei 28.880 Studienteilnehmern ist zu Beginn die Natrium- und Kaliumausscheidung im 24-Stunden-Urin als ungefähres Maß für die tägliche Zufuhr bestimmt worden.

In Abhängigkeit von der ermittelten Zufuhr ist dann die Häufigkeit der Ereignisse kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall und Klinikeinweisung wegen Herzinsuffizienz analysiert worden.

Referenzgruppe mit der relativ niedrigsten Ereignisrate bildeten Patienten (n = 14.156) mit einer Natriumausscheidung im Bereich zwischen 4,0 und 5,99 g/Tag.

Eine dem entsprechende Kochsalzzufuhr von 10 bis 15 g würden viele Experten sicher als deutlich zu hoch bewerten. In dieser Gruppe betrug die Rate für die kardiovaskuläre Mortalität 6,3 Prozent.

Risiko erst deutlich über den bisherigen Grenzwerten

Eine höhere Natriumausscheidung war mit einem höheren Risiko assoziiert: Lag sie im Bereich zwischen 7 g und 8 g pro Tag, stieg die kardiovaskuläre Sterberate auf 9,7 Prozent; bei einer Ausscheidung von mehr als 8 g Natrium kletterte sie auf 11,2 Prozent und war damit relativ um 66 Prozent höher als in der Referenzgruppe.

Eine signifikante Assoziation mit einem erhöhten Risiko ergab sich erst dann, wenn die Natriumausscheidung die Schwelle von 6,5 g pro Tag überschritten hatte.

Das würde bedeuten: Die Gefahrenzone beginnt erst bei deutlich höheren Werten, als in den Empfehlungen von WHO und nationalen Fachgesellschaften angegeben.

In Relation zur Referenzgruppe war auch eine niedrigere Natriumausscheidung mit einem erhöhten Risiko assoziiert: Lag sie bei unter 2 g pro Tag, stieg die kardiovaskuläre Sterberate auf 10,6 Prozent, bei einer Ausscheidung von 2 g bis 2,99 g Natrium betrug sie 8,6 Prozent.

Neue Studien sind notwendig

Umgekehrt verhielt es sich beim Kalium: Eine höhere Kaliumausscheidung war mit einem niedrigeren Risiko für Schlaganfälle assoziiert.

Grundsätzliche Änderungen an den derzeitigen Empfehlungen sind nach dieser Studie trotz ihrer etwas provokanten Ergebnisse wohl nicht zu erwarten.

Auch die Autoren sehen durch ihre Resultate grundsätzlich die Empfehlung gestützt, bei hoher Zufuhr den Natriumkonsum zu verringern.

Sie raten aber auch dazu, sich der bestehenden Unsicherheiten bei Personen mit "moderater" Natriumzufuhr bewusst zu sein, die in der Studie die Mehrheit bildeten.

Dringend erforderlich seien große randomisierte kontrollierte Studien, um endlich Klarheit darüber zu schaffen, welche Auswirkung bei ihnen eine Reduktion der Natriumzufuhr auf die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen hat.

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