Ärzte Zeitung, 28.02.2012

Kommentar

Letztes Kapitel der Homocystein-Story?

Von Peter Overbeck

Die Autoren einer aktuellen Metaanalyse zum Status erhöhter Homocysteinspiegel als koronarer Risikofaktor trumpfen auf.

Nach ihrer festen Überzeugung liefere ihre Auswertung unpublizierter genetischer Studien nun den "endgültigen Beweis" dafür, dass Homocystein von der Anschuldigung, Koronarerkrankungen zu begünstigen, freigesprochen werden muss.

Ein Kapitel jahrzehntelanger Forschung sei damit abgeschlossen.

Ungeteilte Zustimmung wird diese Einschätzung wohl nicht finden. Kritiker werden monieren, dass die Autoren, die sich zugute halten, eine Schieflage in der publizierten Literatur zu Homocystein aufgedeckt zu haben, sich selbst der Einseitigkeit schuldig gemacht haben.

Schließlich haben sie genau diese publizierte Literatur bei ihrer Metaanalyse völlig außer Acht gelassen. Zudem dürften ihnen Kritiker das Fehlen direkter Daten zum Folsäure-Status der Studienteilnehmer als Manko ankreiden - auch wenn die Autoren beteuern, präzise indirekte Informationen gehabt zu haben.

Denn davon, ob die Versorgung mit Folsäure ausreichend ist oder nicht, hängt ab, ob es bei homozygoten Trägern der untersuchten Genvariante zu erhöhten Homocysteinwerten kommt oder nicht.

Lesen Sie dazu auch:
Homocystein und KHK - alles nur Täuschung?

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