Kardiologie

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Ärzte Zeitung, 16.12.2015

Kommentar zur KHK-Studie

Sind viele Stents unnötig?

Von Beate Schumacher

Durch Aufdehnung verengter Koronararterien und Stabilisierung mittels Stent soll das Risiko für Ischämien und Tod gesenkt werden. Doch was beim akuten Myokardinfarkt gut funktioniert, dafür gibt es bei der stabilen KHK bislang keine Belege.

Auch eine Nachbeobachtung von Teilnehmern der COURAGE-Studie über maximal 15 Jahre hat jetzt keinen Vorteil einer frühen perkutanen Koronarintervention (PCI) zutage gefördert.

Die PCI-Patienten hatten eine ebenso hohe Mortalität wie Patienten mit medikamentöser Therapie allein. COURAGE bestätigt damit andere randomisierten Studien.

Dem lässt sich entgegenhalten, dass viele Studien zur Stentimplantation bei belastungsabhängiger Angina pectoris nicht die aktuellen Standards in der Kardiologie widerspiegeln.

So wurden in COURAGE die Koronarstenosen nicht funktionell untersucht und zur Behandlung fast keine beschichteten Stents verwendet. Für die abschließende Beurteilung der prognostischen Wirkung sind daher die Ergebnisse der ISCHEMIA-Studie abzuwarten.

Solange es solche Belege jedoch nicht gibt, handelt es sich bei der PCI vorrangig um eine symptomatische Maßnahme, die bei stabiler KHK dann indiziert ist, wenn pektanginöse Beschwerden medikamentös nicht beherrschbar sind.

Lesen Sie dazu auch:
Stabile KHK: Mit Stent auch langfristig kein Überlebensvorteil

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[16.12.2015, 10:56:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Interventionelle Kardiologen verlieren manchmal eher die "Contenance"...
und zeigen bei stabiler Koronarer Herzkrankheit (KHK) zu viel Courage, eine perkutane Koronarintervention (PCI) durchzuführen bzw. zu wenig Courage zur konservativen, medikamentösen Therapie. Daran sind sicher auch unsere stationären DRG-Vergütungssysteme schuld.

Aber angesichts der Langzeit-Ergebnisse der COURAGE-Studie ist und bleibt der konservative Ansatz eine durchaus ebenbürtige Option. Differenzierung ist notwendig: Akute Koronarsyndrome (ACS), STEMI- und NON-STEMI-Myokardinfarkte erfordern im Gegensatz zur stabilen KHK eine grundsätzlich andere Interventionsebene, wie zahlreiche Untersuchungen belegen. Herzinfarkt-Morbidität und -Mortalität sinken im Übrigen auch ganz erheblich durch gleichzeitige prä- und post-interventionelle bzw. -medikamentöse Lebensstiländerungen.

Doch dazu fehlt es bei vielen unserer Patienten/-innen an Courage, die geforderten Lifestyle-Modifikationen auch dauerhaft umzusetzen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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