Ärzte Zeitung, 09.11.2016
 

INTERHEART-Studie

Wut im Bauch erhöht Gefahr für Herzinfarkt

BARTON. Mit Wut im Bauch Sport zu treiben, kann gefährlich werden. Denn dann droht womöglich ein Infarkt, wie eine Analyse der INTERHEART-Studie nahelegt (Circulation 2016; 134: 1059). Jeder siebte der 12.461 im Mittel 58-jährigen Infarktpatienten berichtete von Ärger und Aufgebrachtheit oder körperlich starker Anstrengung in der Stunde vor dem Ereignis. Emotionale Aufgebrachtheit war mit einem 2,4-fach und starke Anstrengung mit einem 2,3-fach erhöhtem Infarktrisiko assoziiert.

Die Forscher ermittelten insgesamt ein dreimal höheres Infarkt-Risiko als bei Patienten ohne die beiden Bedingungen (Odds Ratio, OR: 3,05). Der Zusammenhang war unabhängig von Alter, Rauchen, Blutdruck, körperlichen Basis-Aktivitäten und anderen kardiovaskulären Risikofaktoren.

Das zusätzliche Risiko durch körperliche Anstrengung und Ärger erklären sich die Studienautoren um Andrew Smyth von der Hamilton Klinik in Barton/Kanada mit der dadurch verursachten Aktivierung des Sympathikus, vermehrten Sekretion von Katecholaminen, der systematischen Vasokonstriktion sowie der Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck.

Solche externen Trigger lösten selbstverständlich nicht immer einen Herzinfarkt aus und könnten sich individuell unterschiedlich auswirken, so die Forscher. Ein solches Ereignis passiere wahrscheinlich nur bei Vorhandensein biologisch aktiver Plaques, die anfällig für eine Plaque-Erosion seien.

Des Weiteren betonen die Wissenschaftler, dass nur schwere körperliche Anstrengungen das Infarktrisiko beeinflusst hätten, eine solche Assoziation aber nicht für normale körperliche Aktivität gelte. Ärzte sollten Patienten daher weiterhin zu regelmäßiger Bewegung motivieren, sie aber über das mögliche Risiko aufklären. (vsc)

Mehr Informationen zur Kardiologie unter www.kardiologie.org

[09.11.2016, 11:47:46]
Thomas Georg Schätzler 
AMI und Psychosomatik - eine Bauchlandung!
Diese Studie: "Physical Activity and Anger or Emotional Upset as Triggers of Acute Myocardial Infarction - The INTERHEART Study" von Andrew Smyth et al.
http://circ.ahajournals.org/content/134/15/1059
unterliegt einer Fehlinterpretation und ist damit m. E. völlig wertlos.

Zur Begründung:
1. Wenn von 12.461 Fällen mit akutem Myokardinfarkt (AMI) nur in 13,6% schwere körperliche Anstrengungen innerhalb 1 Stunde vor Symptombeginn detektiert wurden, gibt es in 86,4% dagegen k e i n e n derartigen Zusammenhang.
2. Wenn von 12.461 Fällen mit akutem Myokardinfarkt nur in 14,4% Zorn/Ärger oder emotionale Aufgebrachtheit innerhalb 1 Stunde vor Symptombeginn detektiert wurden, gibt es in 85,6% dagegen k e i n e n derartigen Zusammenhang.
3. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem akuten Myokardinfarkt k e i n e schweren körperlichen Anstrengungen bzw. Zorn/Ärger oder emotionale Aufgebrachtheit innerhalb der Stunde vor Symptombeginn vorgelegen haben, liegt etwa sieben Mal h ö h e r!
4. Man hat, vermutlich um ein möglichst spektakuläres Studienergebnis präsentieren zu können, gar nicht erst ansatzweise versucht, eine Vergleichsgruppe mit AMI o h n e die beschriebenen Belastungen bis zu einer Stunde vorher zu evaluieren.
5. Stattdessen hat man ein Bevölkerungs-bezogenes Risiko von 7,7% "erfunden", innerhalb einer Stunde o h n e Symptombeginn vor einem nicht stattgehabten akuten Krankheitsereignis schwere körperliche Anstrengungen gehabt zu haben.
6. Das Bevölkerungs-bezogene Risiko von 8,5% wurde angenommen, innerhalb einer Stunde o h n e Symptombeginn vor einem nicht stattgehabten akuten Krankheitsereignis Zorn/Ärger oder emotionale Aufgebrachtheit gehabt zu haben.

Und wer das von Ihnen, liebe Leser/-innen der Ärzte Zeitung, nicht glauben kann und möchte, genauso ist es leider im Original-abstract formuliert!

["Methods: INTERHEART was a case-control study of first AMI in 52 countries. In this analysis, we included only cases of AMI and used a case-crossover approach to estimate odds ratios for AMI occurring within 1 hour of triggers.
Results: Of 12?461 cases of AMI 13.6% (n=1650) engaged in physical activity and 14.4% (n=1752) were angry or emotionally upset in the case period (1 hour before symptom onset). Physical activity in the case period was associated with increased odds of AMI (odds ratio, 2.31; 99% confidence interval [CI], 1.96–2.72) with a population-attributable risk of 7.7% (99% CI, 6.3–8.8). Anger or emotional upset in the case period was associated with an increased odds of AMI (odds ratio, 2.44; 99% CI, 2.06–2.89) with a population-attributable risk of 8.5% (99% CI, 7.0–9.6). There was no effect modification by geographical region, prior cardiovascular disease, cardiovascular risk factor burden, cardiovascular prevention medications, or time of day or day of onset of AMI. Both physical activity and anger or emotional upset in the case period were associated with a further increase in the odds of AMI (odds ratio, 3.05; 99% CI, 2.29–4.07; P for interaction <0.001).
Conclusions: Physical exertion and anger or emotional upset are triggers associated with first AMI in all regions of the world, in men and women, and in all age groups, with no significant effect modifiers."]

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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