Ärzte Zeitung online, 09.05.2017

Blutgruppe

Wer hat das höchste Herzinfarkt-Risiko

Menschen mit den Blutgruppen A, B oder AB haben offenbar ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, als Menschen mit Blutgruppe 0. Dieser Verdacht hat sich in einer Metaanalyse niederländischer Forscher erhärtet.

Von Veronika Schlimpert

Blutgruppe 0? Dann ist das Herzinfarkt-Risiko reduziert

Welche Blutgruppe? Bei „0“ gibt es niedrigere Konzentrationen des von-Willebrand-Faktors.

© bojan fatur / iStock / Thinkstock

GRONINGEN. Nicht-0-Blutgruppen-Träger haben offenbar ein erhöhtes Herzinfarktrisiko: Was sich bereits in Fall-Kontroll-Studien angedeutet hat, wurde nun in einer Metaanalyse bestätigt. Die Analyse von Forschern um Dr. Tessa Marthe Kole von der Abteilung für Experimentelle Kardiologie am University Medical Center Groningen ist jetzt auf dem diesjährigen Heart Failure-Kongress in Paris vorgestellt worden (European Journal of Heart Failure 2017; 19 (Suppl. S1): 174). Ausgewertet wurden elf prospektive Studien mit mehr als einer Millionen Teilnehmer.

"In Zukunft sollte die Blutgruppe in der kardiovaskulären RisikoStratifizierung womöglich zusammen mit dem Cholesterin, Alter, Geschlecht und Blutdruck mit einbezogen werden", wird die Studienautorin Kole in einer Mitteilung der European Society of Cardiology (ESC) zitiert. Wenn sich der Zusammenhang in weiteren Studien bestätigen lässt, könnte es zum Beispiel bei Menschen mit der Blutgruppe A sinnvoll sein, den Grenzwert für einen Therapiebeginn bei erhöhten Cholesterin- oder Blutdruckwerten noch tiefer zu setzen als bisher.

In der Analyse hatten die 771.113 Nicht-O-Blutgruppen-Träger – also jene mit Blutgruppe A, B oder AB – ein um relative neun Prozent höheres Risiko, an einer KHK zu erkranken, als die 519.743 Teilnehmer mit der Blutgruppe 0.

Schaut man sich die absoluten Zahlen an, ist der Unterschied allerdings doch eher gering (1,5 vs. 1,4 Prozent). Kardiovaskuläre Ereignisse kamen bei den Nicht-0-Blutgruppen-Trägern im Vergleich generell signifikant häufiger vor (Odds Ratio: 1,09). Die Anzahl an tödlichen Ereignissen unterschied sich allerdings nicht zwischen beiden Gruppen.

Mögliche Erklärungen

Die Ursache hinter dieser Beobachtung ist noch nicht geklärt. Auffällig ist, dass Menschen mit einer Nicht-0-Blutgruppe höhere Konzentrationen des von-Willebrand-Faktors (vWF) aufweisen. Als Bindungsglied zwischen der verletzten Gefäßwand und den Thrombozyten ist dieses Protein aktiv an der zellulären Blutstillung beteiligt. Zu viel davon kann die Entstehung von Thrombosen begünstigen.

Eine weitere Erklärung könnten die besonders bei Blutgruppe-ATrägern zu beobachteten erhöhten Cholesterinwerte sein, die bekanntlich mit einem erhöhten KHK-Risiko einhergehen. Ebenfalls in höheren Konzentrationen vorzufinden ist bei Nicht-0-Blutgruppen-Trägern das Protein Galectin-3, das bei Entzündungsprozessen beteiligt ist.

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