Ärzte Zeitung, 26.04.2006

Lebensrettender Schutz vor Dekompensation

Implantierte Geräte messen Flüssigkeit in der Lunge / Herzinsuffizienz-Patienten werden vor Entgleisungen gewarnt

MANNHEIM (cem). Als zwar noch nicht perfektes, aber "brauchbares und nützliches Frühwarnsystem" bewertet Professor Christina Unterberg-Buchwald von der Universität Göttingen implantierbare Defibrillatoren und Geräte zur kardialen Resynchronisation, die bei Herzinsuffizienz die Flüssigkeit in der Lunge messen.

Mit der integrierten Zusatzfunktion zur Früherkennung der Dekompensation könne die Versorgung von Herzinsuffizienz-Patienten erheblich verbessert werden, betonte die Kardiologin beim Kardiologen-Kongreß in Mannheim.In Deutschland leiden 1,3 Millionen Menschen an Herzinsuffizienz, europaweit sind 14 Millionen Patienten von Herzinsuffizienz betroffen, die immer häufiger wird.

Implantierbare Defibrillatoren (ICD), die den plötzlichen Herztod verhindern können, und Geräte zur kardialen Resynchronisation (CRT), die die synchrone Schlagabfolge insuffizienter Herzen wiederherstellen und die Pumpleistung verbessern, gehören heute zum Standard der Behandlung bei chronischer Herzinsuffizienz.

Die jüngste Gerätegeneration verfügt zusätzlich über das System OptiVol, das die Flüssigkeit in der Lunge über die Impedanz mißt und ein Warnsignal auslöst, sobald ein bestimmter Grenzwert überschritten ist. Auf diese Weise kann eine kritische Flüssigkeitsansammlung in der Lunge frühzeitig erkannt, und lebensbedrohliche Dekompensationen können durch rechtzeitige Gegenmaßnahmen verhindert werden.

Bedenkliche Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge würden normalerweise häufig erst dann bemerkt, wenn der Patient bereits in einem kritischen Zustand sei, berichtete Unterberg-Buchwald während des Pressegespräches des Unternehmens Medtronic. Das mache zumeist eine notfallmäßige stationäre Aufnahme und intensivmedizinische Behandlung erforderlich.

Untersuchungen in der Universitätsklinik Göttingen hätten ergeben, daß das System drohende kardiale Dekompensationen mit einem positiven prädiktiven Wert von 65 Prozent anzeigen kann. Das korreliert mit der Bestimmung von NTpro-BNP, einem etablierten Blutmarker für die Diagnose und Prognose der Herzinsuffizienz.

In Deutschland wurden die mit der Zusatzfunktion ausgestatteten Geräte bislang 1000 Patienten implantiert; vor allem bei Patienten mit Herzinsuffienz der NYHA-Stadien III und IV.

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