Ärzte Zeitung, 19.04.2007
 

Weißdorn bei Herzinsuffizienz kann empfohlen werden

Crataegus-Präparat plus Standard-Medikation kann kardiale Letalität senken / Studie mit 2700 Patienten

MANNHEIM (Rö). Es gibt keinen Grund, Patienten mit Herzinsuffizienz von der Einnahme eines Weißdorn-Präparates zusätzlich zu ihrer Standardmedikation abzuraten. Denn diese Phytotherapie ist sicher.

Zumindest bei jenen Herzinsuffizienz-Patienten mit einer Auswurffraktion von mindestens 25 Prozent besteht die Hoffnung, dass tödliche kardiale Ereignisse hinausgezögert werden. Dies lassen die Ergebnisse der SPICE*-Studie schließen, die Professor Christian Holubarsch aus Bad Krozingen beim Kardiologen-Kongress in Mannheim erstmals in Deutschland vorgestellt hat.

Beim primären kombinierten Endpunkt aus kardialer Letalität, nicht-tödlichen Myokardinfarkten und Hospitalisierung war das Crataegus-Präparat WS 1442 (Crataegutt novo 450 mg) Placebo leicht, aber nicht signifikant überlegen (27,9 Prozent versus 28,9 Prozent).

Beim sekundären Endpunkt - der kardialen Mortalität - ergab sich ebenfalls ein nicht signifikanter Trend zugunsten des Phytopharmakons. Signifikant waren die Unterschiede allerdings nach sechs Monaten (2,9 Prozent versus 4,9 Prozent) und nach 18 Monaten (9,5 versus 11,9 Prozent). Diese Zeitpunkte für die Analyse waren vor Studienbeginn definiert worden.

Auch die Untergruppen-Analyse mit Patienten, die eine Auswurffraktion von mindestens 25 Prozent hatten, war vorher festgelegt worden. Bei den Patienten ist die kardiale Mortalität signifikant vermindert.

Die SPICE-Studie ist eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 2681 Patienten im NYHA-Stadium II bis III und einer LVEF bis 35 Prozent. Die Medikation bestand aus: zweimal 450 mg WS 1442 oder Placebo täglich - zusätzlich zur Standardmedikation. Die Studiendauer betrug 24 Monate.

SPICE: Survival and Prognosis Investigation of Crataegus Extract WS 1442 in Chronic Heart Failure

STICHWORT

Crataegus

Crataegus - besser bekannt als Weißdorn - wird als Heilpflanze in der traditionellen europäischen Medizin seit Jahrhunderten bei Herzkrankheiten genutzt. Der Pflanze werden positiv inotrope, vasodilatierende, antiarrhythmische und antioxidative Wirkeigenschaften zugeschrieben. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten unter anderen oligomere Procyanidine und Flavonoide. (ob)

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