Ärzte Zeitung, 26.04.2007

Weißdorn-Präparat ist bei Herzinsuffizienz sicher

Bei einem Teil der Patienten wird das Leben verlängert

MANNHEIM (grue). Erstmals ist die Wirkung von Crataegus-Extrakt bei Herzinsuffizienz zuzsätzlich zur Standardtherapie in einer Langzeitstudie untersucht worden. Beim primären kombinierten Endpunkt aus kardialer Letalität, nichttödlichen Myokardinfarkten und Hospitalisierung ergab sich ein Trend zu Gunsten des Phythopharmakons, der jedoch nicht signifikant war.

"Wir wissen jetzt aber, dass standardisierter Weißdorn-Extrakt bei Herzinsuffizienz-Patienten sicher in der Anwendung ist und das Leben womöglich verlängern kann", sagte Prüfleiter Professor Christian Holubarsch aus Bad Krozingen auf einer Veranstaltung des Unternehmens Dr. Willmar Schwabe in Mannheim.

Seine Beurteilung fiel deshalb vorsichtig aus, weil Crataegus (Crataegutt novo 450 mg) in der SPICE-Studie den primären Endpunkt nicht getroffen hat: Bei Patienten mit mittelgradiger Herzinsuffizienz (LVEF unter 35 Prozent) konnte Crataegus zusätzlich zur Standardtherapie das kombinierte Risiko für kardialen Tod, nicht-tödlichen Herzinfarkt und Klinikaufnahme wegen Dekompensation nicht weiter verringern. Wurden allerdings nur die Herztode gezählt (ein sekundärer Endpunkt), hatten mit Crataegus behandelte Patienten nach sechs und 18 Monaten einen signifikanten Überlebensvorteil.

Insgesamt wurden im Rahmen der SPICE-Studie 2681 Patienten für zwei Jahre mit Crataegus (zweimal 450 mg/Tag) oder Placebo behandelt. "Die im zweiten Therapiejahr mit Crataegus erzielte Risikoreduktion für Herztod betrug etwa 20 Prozent. Das entspräche bei einer mittleren verbleibenden Lebenserwartung von zwei Jahren einer Verlängerung von vier Monaten", sagte Holubarsch.

Am meisten profitierten Patienten mit einer Auswurffraktion von über 25 Prozent von der Zusatz-Therapie, die nach Angaben von Holubarsch "absolut sicher" war - ein für frei verkäufliche Präparate besonders wichtiger Aspekt. Im Übrigen habe sich gezeigt, dass Weißdorn vorwiegend antiischämisch und antiarrhytmisch wirkt, während sich die vermuteten positiv-inotropen Effekte nicht bestätigt haben. "Weitere Studien könnten das Profil von Crataegus besser herausarbeiten, etwa wenn plötzlicher Herztod als primärer Endpunkt gewählt wird", so Holubarsch.

STICHWORT

Crataegus

Crataegus - besser bekannt als Weißdorn - gehört zur Familie der Rosengewächse. Der Pflanzenextrakt wird als Heilpflanze in der traditionellen europäischen Medizin seit Jahrhunderten bei Herzkrankheiten genutzt. Der Pflanze werden positiv inotrope, vasodilatierende, antiarrhythmische und antioxidative Wirkeigenschaften zugeschrieben. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten unter anderen Flavonoide und Flavonolglykoside sowie oligomere Procyanidine und biogene Amine, Phenolcarbonsäuren, Triterpensäuren, Aminopurine und Mineralstoffe. (eb)

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