Ärzte Zeitung, 06.12.2007

Was hilft bei Vorhofflimmern und Herzschwäche am besten?

Neue Studie: Kein Vorteil der Rhythmuskontrolle im Vergleich zur Frequenzkontrolle

ORLANDO (ob). Vorhofflimmern ist eine häufige Begleiterkrankung bei chronischer Herzinsuffizienz. In dieser speziellen Situation ist die einfachere Strategie der Frequenzkontrolle eine gleichwertige Alternative zu einer komplexeren Behandlung, bei der Rhythmuskontrolle angestrebt wird.

 Was hilft bei Vorhofflimmern und Herzschwäche am besten?

Vorhofflimmern im EKG. Typisch für diese im klinischen Alltag häufigste Herzrhythmusstörung sind die unregelmäßig einfallenden QRS-Komplexe: absolute Arrhythmie.

Foto: imago

Für die medikamentöse Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern stehen grundsätzlich zwei Strategien zur Auswahl: Rhythmuskontrolle (Kardioversion und Aufrechterhaltung von Sinusrhythmus) oder Frequenzkontrolle (Begrenzung der Kammerfrequenz bei weiter bestehender Arrhythmie). Wider Erwarten ist in großen klinischen Studie (AFFIRM, RACE) die Überlegenheit der lange favorisierten Rhythmuskontrolle nicht bestätigt worden. Dementsprechend erfuhr die einfachere Strategie der Frequenzkontrolle eine Aufwertung, was in jüngster Zeit zu einem Wandel in der Therapie geführt hat.

Unklar blieb, ob diese Ergebnisse auch auf Patienten mit Vorhofflimmern auf dem Boden einer chronischen Herzinsuffizienz übertragbar sind. Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern treten häufig in Koexistenz auf. Die fortschreitende Herzinsuffizienz begünstigt die Entstehung von Vorhofflimmern, diese Arrhythmie wiederum verstärkt Symptome der Herzschwäche - ein Teufelskreis.

Die Ergebnisse der AF-CHF-Studie stärken den therapeutischen Stellenwert der Frequenzkontrolle nun auch bei Vorhofflimmern mit Herzinsuffizienz. Danach macht es bei dieser Konstellation prognostisch keinen Unterschied, wenn statt Rhythmuskontrolle der einfachere Weg der Frequenzkontrolle gewählt wird. In der Studie betrug die kardiovaskuläre Sterberate (primärer Endpunkt) nach dreijähriger Beobachtung 25,2 Prozent (Frequenzkontrolle) und 26,7 Prozent (Rhythmuskontrolle). Auch die Gesamtsterberate unterschied sich nicht signifikant, berichtete Dr. Denis Roy aus Montreal. Die Rate der Klinikeinweisungen war bei Rhythmuskontrolle signifikant höher (46 versus 39 Prozent), bedingt nicht zuletzt durch die häufigeren Kardioversionen (39 versus 8 Prozent).

An der AF-CHF-Studie haben 1376 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (Auswurffraktion unter 35 Prozent) und Vorhofflimmern teilgenommen. Mehr als zwei Drittel der Patienten hatten ein persisitierendes Vorhofflimmern.

Die AF-CHF-Studie, an der überwiegend Patienten mit symptomatisch eher geringer ausgeprägter Arrhythmie beteiligt waren, ist aber nicht repräsentativ für das gesamte Spektrum der Patienten mit Vorhofflimmern und kardialer Pumpschwäche. Ihre Ergebnisse signalisieren deshalb auch nicht das generelle Ende für die Rhythmuskontrolle bei Herzinsuffizienz. Speziell bei Patienten mit instabiler Hämodynamik und ausgeprägten Arrhythmie-Beschwerden wird diese Strategie sicher auch weiterhin als Option zur Symptomminderung genutzt werden.

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