Ärzte Zeitung online, 24.08.2010
 

Uni Münster: Erstmals in Deutschland neuartige Herzpumpe implantiert

MÜNSTER (eb). Herzchirurgen des Universitätsklinikums Münster (UKM) haben nach Angaben der Uni deutschlandweit zum ersten Mal bei einem Patienten eine neuartige Pumpe für die Kurzzeitunterstützung bei stark pumpschwachen Herzen implantiert. Der Patient wartet jetzt auf eine Herztransplantation.

Uni Münster: Erstmals in Deutschland neuartige Herzpumpe implantiert

Professor Stefan Klotz (r.) zeigt das PulseCath System, dass er dem Herzpatienten Gottfried Driemer implantiert hat.

© UKM

Bei dem neuen "PulseCath-System" wird ein Katheter über die Subclavia-Arterie in das Herz vorgeschoben. Nach außen wird der Katheter an eine spezielle Pumpkammer angeschlossen.

Mittels einer neuartigen patentierten Klappentechnik kann mit diesem Katheter Blut aus dem Herzen geleitet und direkt in die Hauptschlagader wieder hinein gepumpt werden. Diese Pumpe wurde bislang nur in den Niederlanden und Belgien benutzt.

Dem Patienten geht es gut, wie die Uni mitteilt. Aktuell wartet er, versorgt mit einem kompletten Kunstherzsystem zur Langzeitunterstützung, auf ein Spenderherz.

Alle ein bis zwei Wochen kommt der Patient nun in die herzchirurgische Ambulanz des UKM zur Kontrolle seines Kunstherzsystems. Die übrige Zeit kann er zuhause in Billerbeck verbringen. Der 51-Jährige Gottfried Driemer ist froh, dass er die Zeit daheim verbringen kann und nicht in der Klinik. Für ihn ist es "ein kleines Wunder".

Vor mehr als einem Jahr wurde die Diagnose einer schweren Herzmuskelerkrankung gestellt

Im vergangenen Mai ging es Gottfried Driemer schlecht. Mit zunehmender Luftnot stellte er sich in einem Krankenhaus vor. Es erfolgten mehrere Untersuchungen bei dem Verdacht einer schweren Muskelerkrankung des Herzens. Das Herz von Gottfried Driemer wurde immer größer und pumpte immer schlechter. Ende Mai kam es zum akuten Kollaps: Er entwickelte eine schwer wiegende Herzrhythmusstörung.

Driemer musste reanimiert und in tiefes Koma gelegt werden: In diesem kritischen Zustand wurde er dann in die Herzchirurgie des UKM verlegt. Hier zeigte sich, dass das Herz nur noch ein Zehntel der normalen Pumpleistung hatte.

Professor Stefan Klotz, der die Pumpe einsetzte, sagte: "Im Normalfall würde bei solchen Patienten, die wieder belebt werden mussten, eine künstliche Pumpe über die Leistengefäße angeschlossen werden. Neben möglichen Durchblutungsstörungen der Beine ist vor allem die Notwendigkeit, die Blutgerinnung fast vollständig zu hemmen, ein großes Problem. Daher entschieden wir uns für die Implantation des neuartigen Gerätes für den Akuteinsatz, dass uns erst seit kurzem zur Verfügung stand."

Mit dieser in Deutschland erstmalig eingesetzten Pumpe stabilisierte sich die Kreislaufsituation so gut, dass das künstliche Koma beendet werden konnte. Kurz darauf erfolgte die Implantation eines kompletten Kunstherzsystems zur notwendigen Langzeitunterstützung. Mit diesem System konnte er dann Ende Juli nach Hause entlassen werden.

Da die Herzleistung durch das Kunstherzsystem dauerhaft unterstützt werden muss, ist Driemer bei Eurotransplant zur Herztransplantation angemeldet. Aufgrund eines zunehmenden Organmangels muss er jedoch mit einer Wartezeit von ein bis zwei Jahren rechnen, bis ein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht. Diese Zeit kann er jedoch relativ bequem mit dem Kunstherzsystem zu Hause verbringen.

Klotz ist überzeugt: "Das neue Gerät kann vielen Patienten mit akuten schweren Beeinträchtigungen der Pumpfunktion des Herzens helfen. Der große Vorteil ist dabei, dass hierdurch wertvolle Zeit in einer kritischen Phase gewonnen wird und in Ruhe für die weitere Therapie Entscheidungen getroffen werden können."

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