Kardiologie

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Modul: Akute und chronische Herzinsuffizienz

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Ärzte Zeitung online, 15.11.2010

Kardiale Resynchronisation senkt Sterberate auch im NYHA-Stadium II

CHICAGO (ob). Jetzt ist definitiv bewiesen: Durch die kardiale Resynchronisationstherapie wird die Sterberate nicht nur bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz, sondern auch schon bei Patienten im relativ symptomarmen Frühstadium der Erkrankung deutlich reduziert.

Kardiale Resynchronisation senkt Sterberate auch im NYHA-Stadium II

AHA-Kongress in Chicago vom 13. bis 17. November 2010.

© AHA

Den Beweis liefert die beim AHA-Kongress in Chicago vorgestellte RAFT-Studie. Ihre Ergebnisse belegen, dass Patienten mit systolischer Dysfunktion und Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium II, die bereits eine primärprophylaktische ICD-Therapie erhalten, von einer zusätzlichen Therapie zur kardialen Resynchronisation (CRT) prognostisch erheblich profitierten.

Defibrillator-Therapie (ICD) und kardiale Resynchronisation (CRT) sind etablierte Behandlungsverfahren bei chronischer Herzinsuffizienz. Während der implantierbare Defibrillator vor dem plötzlichen Herztod durch lebensbedrohliche Kammertachykardien schützt, behebt die CRT-Therapie eine Störung, die bei etwa einem Drittel aller Patienten mit Herzinsuffizienz besteht. Bei ihnen ist den Kontraktionsablauf des rechten und linken Ventrikels asynchron. Ein Zeichen dafür ist die Verbreiterung des QRS-Komplexes auf über 120 ms.

Durch die CRT-Therapie wird diese asynchrone Kontraktion per biventrikulärer Schrittmacher-Stimulation wieder koordiniert. Bei schwerer Herzinsuffizienz konnten auf diese Weise Mortalität und Hospitalisierungsrate deutlich gesenkt werden.

In zwei Studien (REVERSE, MADIT-CRT) sind auch bei Patienten mit milder Herzinsuffizienz (Stadium NYHA I/II) günstige Effekte der CRT-Therapie - etwa eine Reduktion der Hospitalisierungsrate und eine Verbesserung der kardialen Hämodynamik - nachgewiesen worden. Eine Wirkung auf die Mortalität wurde nicht beobachtet.

RAFT liefere jetzt den schlüssigen Beweis, dass die CRT-Therapie zusätzlich zum ICD auch bei diesen Patienten Leben rettet, so der kanadische Studienleiter Dr. Anthony Tang aus Ottawa.

An dieser Studie waren 1798 Patienten mit relativ milder Herzinsuffizienz (80 Prozent im NYHA-Stadium II), breitem QRS-Komplex (über 120 ms) und linksventrikulärer Dysfunktion (Auswurffraktion niedriger als 30 Prozent) beteiligt. Auf Basis einer optimierten medikamentösen Therapie erhielten sie entweder einen ICD mit zusätzlicher CRT-Funktion oder nur eine ICD-Therapie. Die Beobachtungsdauer betrug im Schnitt 40 Monat und ist damit deutlich länger als in REVERSE und MADIT-CRT.

Die Gesamtrate aller Todesfälle und Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz (primärer kombinierter Endpunkt) wurde in dieser Zeit durch die zusätzliche CRT-Therapie signifikant um 25 Prozent im Vergleich zur alleinigen ICD-Therapie reduziert (33,2 versus 40,3 Prozent).

Auch für die Gesamtsterberate ergab sich eine signifikante Reduktion um 25 Prozent (Inzidenzrate: 20,8 versus 26,1 Prozent). Wie Tang berichtete, müssen demnach 14 Patienten fünf Jahre lang eine CRT-Therapie erhalten, um einen Todesfall zu verhindern. Auch die Rate kardiovaskulärer Todesfälle war in der ICD/CRT-Gruppe signifikant um 24 Prozent niedriger als in der ICD-Gruppe (14,5 versus 17,9 Prozent).

Die Rate der aller Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz wurde signifikant um 32 Prozent gesenkt (19,5 versus 26,1 Prozent). In diesem Fall bedurfte es einer jeweils fünfjährigen CRT-Therapie bei 11 Patienten, um eine Klinikeinweisung wegen Herzinsuffizienz zu verhindern.

Die RAFT-Studie ist unmittelbar nach der Präsentation online im "New England Journal of Medicine" publiziert worden.

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