Ärzte Zeitung, 20.05.2011

Neue Studien zur Herzinsuffizienz könnten bald in die Leitlinien eingehen

Zwei Medikamente, jeweils zusätzlich zur Standardtherapie, haben die Raten von Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz vermindert.

BERLIN (gvg). Lange hatte sich wenig getan bei der Herzinsuffizienz. Doch im Jahr 2010 kam eine Änderung zur anderen. Zumindest zwei neue Studien werden demnächst die Leitlinien verändern, prognostizierte Professor Carsten Tschöpe von der Charité Berlin beim Praxis Update 2011.

Für therapeutisch wegweisend hält Tschöpe vor allem die Ergebnisse der EMPHASIS-HF-Studie. Darin nahmen Patienten teil mit schwerem systolischem Herzversagen (Auswurffraktion war 30 Prozent oder kleiner), aber nur mäßig ausgeprägten Symptomen (NYHA-Klasse II). Zusätzlich zur Standardtherapie wurden sie mit dem Aldosteronantagonisten Eplerenon (25 mg bis 50 mg) oder Placebo behandelt.

"Bisher waren Aldosteronantagonisten den Patienten der NYHA-Klassen III und IV vorbehalten", betonte Tschöpe. Die EMPHASIS-HF-Studie habe nun bei insgesamt 2737 Patienten einen klaren Nutzen für den Aldosteronblocker selbst dann ergeben, wenn die Symptome nicht so ausgeprägt waren und bereits eine leitliniengerechte Therapie erfolgte.

Der Unterschied zu Placebo war eindrucksvoll. Beim primären Kompositendpunkt (kardiovaskulärer Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz) war Eplerenon nach im Mittel 21 Monaten 37 Prozent unter Placebo. Es errechne sich eine Number Needed to Treat von 19, berichtete Tschöpe. Auch bei der Gesamtsterberate, einem sekundären Endpunkt, gab es einen zwar geringen, aber statistisch signifikanten Vorteil für die Patienten im Verumarm.

Noch einer zweiten Großstudie zur Herzinsuffizienz traut Tschöpe das Potenzial zur Veränderung der Therapieleitlinien zu: Es ist die SHIFT-Studie. An dieser Untersuchung nahmen 6558 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz teil (EF war 35 Prozent oder kleiner, Hospitalisierung in den letzten zwölf Monaten).

Jene Patienten, die mit leitliniengerechter Betablockade weiterhin eine Herzfrequenz von mindestens 70 Schlägen pro Minute aufwiesen, wurden zusätzlich zur Standardtherapie mit dem If-Kanal-Blocker Ivabradin behandelt. Die Zieldosis lag bei zweimal 7,5 mg täglich.

Der primäre Kompositendpunkt (kardiovaskulärer Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz) trat innerhalb von knapp 23 Monaten bei 24 Prozent der Patienten in der Ivabradin-Gruppe ein. Bei den Patienten in der Placebogruppe waren es 29 Prozent.

"Getrieben wurde dieser Unterschied vor allem durch die geringere Hospitalisierungsrate", erläuterte Tschöpe. Profitiert haben nach seiner Aussage sowohl Patienten mit niedriger als auch Patienten mit hoher Betablockerdosis.

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