Ärzte Zeitung online, 25.10.2011
 

Bewegung hilft bei diastolischer Herzschwäche

Belastbarkeit und Lebensqualität von Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz lassen sich durch ein strukturiertes körperliches Training deutlich erhöhen. Anknüpfend an diese in einer deutschen Pilotstudie gezeigte Wirkung wird derzeit in einer großen Studie geprüft, ob ein solches Training auch die Prognose verbessern kann.

GÖTTINGEN (ob). Anders als bei Herzinsuffizienz mit systolischer Dysfunktion sind die therapeutischen Möglichkeiten bei Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Funktion - sie wird auch als diastolische Herzinsuffizienz bezeichnet - noch immer sehr begrenzt.

Diastolische Herzinsuffizienz ist sehr häufig

Dabei ist die diastolische Herzinsuffizienz mitnichten eine Rarität: Bei nahezu 50 Prozent aller Patienten mit den typischen Symptomen einer Herzschwäche ist die linksventrikuläre Auswurffraktion noch weitgehend normal.

Auch über den Stellenwert von körperlichem Training ist bei dieser häufigen Form der Herzinsuffizienz bislang kaum etwas bekannt. Eine Gruppe deutscher Mediziner um Dr. Frank Edelmann aus Göttingen hat deshalb Initiative ergriffen und eine Pilotstudie gestartet, deren Ergebnisse jetzt publiziert worden sind (J Am Coll Cardiol. 2011; 58: 1780).

In der Ex-DHF-Pilotstudie (exercise training in diastolic heart failure) haben von 64 Patienten mit Herzinsuffizienz und normaler linkventrikulärer Auswurffraktion (≥ 50 Prozent) zwei Drittel im Zeitraum von drei Monaten regelmäßig ein überwachtes Kraft- und Ausdauertraining absolviert.

Ein Drittel der Studienteilnehmer ohne entsprechende Bewegungsübungen fungierte als Kontrollgruppe.

Bei Patienten mit strukturiertem Training war nach der Trainingsphase spiroergometrisch eine signifikante Zunahme der maximalen Sauerstoffaufnahme (peak VO2, primärer Endpunkt) festzustellen. In der Kontrollgruppe gab es dagegen keine Veränderungen.

Belastbarkeit und Lebensqualität verbessert

Echokardiografische Messungen ergaben in der Trainingsgruppe zudem eine signifikante Verbesserung der linksventrikulären Füllungsfunktion in der Diastole sowie eine signifikante Abnahme des linksatrialen Volumenindex als Zeichen für ein "reverse remodeling" im linken Vorhof. Diese günstigen Veränderungen gingen einher mit einer deutlich erhöhten Lebensqualität.

In der wesentlich größeren Ex-DHF-Studie soll jetzt geprüft werden, ob sich durch ein kontinuierliches und individuell zugeschnittenes körperliches Trainingsprogramm bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz nicht nur Symptomatik und Belastbarkeit, sondern auch die Mortalität und die Rate der Klinikeinweisungen günstig beeinflussen lassen.

Diese bislang größte Trainingsstudie bei Herzinsuffizienz in Deutschland wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 1,9 Millionen Euro unterstützt.

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