Kardiologie

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Modul: Akute und chronische Herzinsuffizienz

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Ärzte Zeitung, 09.02.2012

Mit Auto-Antikörper-Fänger gegen Herzinsuffizienz

Ein fehlgeleitetes Immunsystem kann Herzschwäche verursachen. Jetzt soll in einer Studie an deutschen Kliniken der Wirkstoff COR-1 getestet werden, der direkt in diesen Krankheitsmechanismus eingreift.

Mit Auto-Antikörper-Fänger gegen Herzinsuffizienz

Pleuraergüsse bei dekompensierter Herzinsuffizienz.

© Prof. Dr. H.S. Füeßl

WÜRZBURG (ob). Normalerweise unterstützen Antikörper das Immunsystem beim Kampf gegen Krankheitserreger. Bei Autoimmunerkrankungen greifen jedoch spezielle Antikörper den eigenen Körper an.

Das ist auch bei vielen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (dilatative Kardiomyopathie) der Fall. Das Immunsystem dieser Patienten bildet Antikörper gegen den ß1-adrenergen Rezeptor (Anti-ß1AR).

Die Auto-Antikörper führen zu einer chronischen Überstimulierung des Rezeptors, dadurch zu einer Schädigung des Herzmuskels und zu reduzierter Herzfunktion. Die Patienten haben dadurch ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko an ihrer Herzerkrankung zu sterben.

Bei dem Medikament COR-1 handelt es sich um ein zyklisches Peptid, das diese Auto-Antikörper neutralisiert. "COR-1 ist das erste Medikament, das diese schädlichen Antikörper gezielt im Blut abfangen und blockieren soll", berichtet Professor Stefan Störk, Leiter des Studienteams der COR-1/02 Studie am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI), in einer Pressemitteilung.

An seinem Zentrum und in den Universitätskliniken in München, Regensburg und Tübingen erhalten Herzschwäche-Patienten seit September 2011 in einer doppelt-verblindeten Phase-II-Studie den neuen Wirkstoff COR-1. Die ersten Patienten haben das Medikament laut Pressemitteilung bisher sehr gut vertragen.

Einmal pro Monat über ein halbes Jahr

Patienten zwischen 18 und 75 Jahren erhalten COR-1 einmal monatlich über 6 Monate in einer Dosis von entweder 20 mg, 80 mg oder 160 mg, oder dazu passend Placebo. Primärer Endpunkt ist die per Echokardiographie gemessene kardiale Funktion. Sekundäre Endpunkte sind unter anderen kardiale Ereignisse, 6-Minuten-Gehtest, NYHA Schweregrad und die Antikörper-Titer.

In Würzburg werden diese Patienten in einer speziell für diese noch experimentellen Therapieverfahren ausgestatteten Einrichtung (Early Clinical Trial Unit, ECTU) betreut. Die COR-1-Studie ist das erste große Kooperationsprojekt zwischen der ECTU des Comprehensive Cancer Centers Mainfranken und dem DZHI.

"Eine solche interdisziplinäre Kooperation gab es bisher in Deutschland in dieser Form noch nicht", erläutert Professor Dr. Georg Ertl als Nationaler Studienleiter der COR-1/02-Studie. Ertl ist auch amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Erfolge im Tiermodell

Erfolge mit COR-1 erzielten Wissenschaftler der Universität Würzburg bereits im Tiermodell einer Antikörper-induzierten Herzschwäche. "Wir haben mit COR-1 nicht nur die Antikörper abgefangen", berichtet der Kardiologe Professor Roland Jahns, "sondern sogar gezielt die Immunzellen geschwächt, die diese Antikörper produzieren."

So konnten die Wissenschaftler auch langfristig die Bildung neuer Autoantikörper verhindern und die Tiere letztlich heilen.

Bereits Mitte der 1990er Jahre begann Jahns im Labor des Pharmakologen Professor Martin Lohse zu untersuchen, wie die Autoantikörper das Herz schädigen.

Mit Hilfe des Biochemikers Professor Dieter Palm wurde ein ringförmiger Eiweißstoff (Zyklopeptid) entwickelt, der spezifisch herzschädigende Antikörper bindet und deren Wirkung blockiert.

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