Ärzte Zeitung online, 16.05.2017
 

Überlebensaussichten

Herzschwäche so maligne wie Krebs

Was die Überlebensaussichten betrifft, ist Herzschwäche immer noch ungünstiger als manche Krebserkrankung.

STOKE-ON-TRENT. Durch bessere und neue medikamentöse und Device-basierte Therapien konnte die Mortalität der Herzinsuffizienz im letzten Jahrzehnt um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Trotzdem scheint der oft zitierte Satz, dass eine Herzinsuffizienz so maligne sei wie Krebs, seine Gültigkeit nicht verloren zu haben.

Von den vier häufigsten Krebserkrankungen haben bei Männern zwei und bei Frauen eine Krebserkrankung nach wie vor eine bessere Prognose als die Herzschwäche. Das hat eine Analyse von Daten aus dem ambulanten Sektoraus Schottland ergeben (Eur J Heart Fail 2017; online 3. Mai).

Ein bzw. fünf Jahre nach der Diagnose einer Herzinsuffizienz waren 14,4 bzw. 62,3 Prozent der Männer und 17,7 bzw. 68,1 Prozent der Frauen gestorben. Damit war bei Männern gemäß der Cox- Regressionsanalyse Krebs der Prostata und der Blase jeweils mit einem besseren Fünf-Jahres-Überleben assoziiert als eine Herzinsuffizienz (68,3 und 57,3 Prozent vs. 55,8 Prozent); die Sterberisiken lagen um 39 bzw. 12 Prozent niedriger (Hazard Ratio, HR 0,61 bzw. 0,88). Die Prognose der Herzkranken war jedoch besser als die von Männern mit Lungen- oder kolorektalen Karzinomen (Fünf-Jahres-Überleben 8,4 bzw. 48,9 Prozent; HR 3,86 bzw. 1,23).

Frauen mit Herzinsuffizienz hatten eine ungünstigere Prognose als Frauen mit Brustkrebs (Fünf-Jahres-Überleben 77,7 Prozent, HR 0,55). Die Überlebenschancen waren aber größer als bei Krebs des Darms, der Lunge oder der Ovarien (Fünf-Jahres-Überleben 51,5, 10,4 bzw. 38,2 Prozent; HR 1,21, 3,82 bzw. 1,98).

Für die Analyse wurden Daten von 56.658 Patienten im mittleren Alter von 69 Jahren ausgewertet. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug zwei Jahre. Eine Herzinsuffizienz war bei 10.309 Männern und 9131 Frauen diagnostiziert worden; 17.755 Männer und 19.463 Frauen litten an einer der untersuchten Krebserkrankungen. Generell war die Herzschwäche in höherem Alter festgestellt worden als der Krebs, sie war außerdem mit mehr Begleiterkrankungen verbunden. Diese Unterschiede wurden bei der Abschätzung ihres Einflusses auf das Überleben mittels Cox-Regression berücksichtigt. Bei der Herzinsuffizienz konnte allerdings nicht nach erhaltener oder reduzierter Auswurffraktion differenziert werden; auch zu Stadium und Therapie der Krebserkrankungen lagen keine Daten vor. (bs)

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