Ärzte Zeitung, 24.10.2017
 

Hypertrophe Kardiomyopathie

Schlechtere Prognose bei Frauen

Frauen mit hypertropher Kardiomyopathie haben eine schlechtere Prognose als Männer mit dieser Herzerkrankung. Hinweise dafür liefern die Ergebnisse einer retrospektiven Studie von Kardiologen aus den USA.

Von Peter Leiner

Hypertrophe Kardiomyopathie: Schlechtere Prognose bei Frauen

Bildgebung zur Diagnostik bei Kardiomyopathie.

© Mathias Ernert, Deutsches Herzzentrum Berlin

ROCHESTER. Bei einer ganzen Reihe von Herzerkrankungen sind geschlechtsspezifische Unterschiede bekannt, etwa bei Herzinsuffizienz oder dilatativer Kardiomyopathie. Für die vor allem genetisch bedingte hypertrophische Kardiomyopathie gibt es dazu noch wenig Informationen.

Deshalb haben sich Kardiologen um Dr. Jeffrey B. Geske von der Mayo-Klinik in Rochester im US-Staat New York für ihre retrospektive Studie die Befunde aller Patienten angeschaut, die an ihrer Klinik zwischen Januar 1972 und September 2012 wegen einer hypertrophen Kardiomyopathie behandelt worden waren. Von 3673 Patienten waren 1661 Frauen (45,2 Prozent).

Die Ärzte richteten dabei ihr Augenmerk auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Symptomen, Phänotypen, Therapiestrategien und dem Behandlungserfolg (Eur Heart J 2017; online 8. September).

Geringere kardiopulmonale Leistung

Der Auswertung zufolge waren in der Klinik in Rochester Frauen zum Zeitpunkt der Diagnose der Herzkrankheit signifikant älter (59 ± 16 vs. 52 ± 15 Jahre). Der Anteil der Patienten mit einer Kardiomyopathie der NYHA-Klassen III–IV war unter den Frauen signifikant größer (45 vs. 35,3 Prozent). Ein obstruktiver Phänotyp wurde bei signifikant mehr Frauen dokumentiert (77,4 vs. 71,8 Prozent).

Darüber hinaus war das E/e'-Verhältnis als Marker für die Ventrikelfüllung bei Frauen deutlich größer (20,5 vs. 15,6). Auch der systolische Pulmonalarteriendruck war bei Frauen signifikant höher (40,8 ± 15,4 versus 34,8 ± 10,8 mmHg). Sie hatten zudem eine geringere kardiopulmonale Leistungsfähigkeit als Männer und mussten sich häufiger einer Alkohol-Septumablation unterziehen.

Dagegen war der Anteil der Patienten mit einer chirurgischen Muskelverkleinerung bei beiden Geschlechtern ähnlich groß (28 vs. 30 Prozent). Schließlich war die Wahrscheinlichkeit, innerhalb des Follow-up von 10,9 Jahren zu sterben, in der Gruppe der Frauen signifikant höher (Hazard Ratio: 1,13). Bei dieser Berechnung berücksichtigten die Ärzte das Alter der Patienten, die NYHA-Klasse und kardiovaskuläre Komorbiditäten.

Hormonelle Ursachen?

Nach Ansicht der Kardiologen beruhen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der hypertrophen Kardiomyopathie möglicherweise auf den Unterschieden bei den Geschlechtshormonen, die auf verschiedene Art und Weise den Phänotyp der Herzerkrankung modulieren.

Geske und seine Kollegen machen zudem darauf aufmerksam, dass Frauen sich ihrer kardiovaskulären Erkrankung weniger bewusst sind als Männer, sodass zum Beispiel weniger betroffene Frauen das Thema bei ihrem Arzt ansprechen.

Möglicherweise würden weniger erkrankte Frauen rechtzeitig entdeckt, so die Ärzte. Bereits in einer Studie vor mehr als zehn Jahren sei festgestellt worden, dass die Wahrscheinlichkeit, während einer Routine-Untersuchung mit einer hypertrophischen Kardiomyopathie aufzufallen, bei Frauen geringer sei als bei Männern.

Geschlechtsspezifische Strategien

Zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Mayo-Klinik gab es beim Parameter systolischer Blutdruck zwischen den Geschlechtern keinen Unterschied. Das lässt nach Ansicht der US-Kardiologen vermuten, dass Frauen mit hypertropher Kardiomyopathie eine linksventrikuläre Hypertrophie haben, die fälschlicherweise einer systemischen Hypertonie zugeschrieben wird.

In den aktuellen europäischen Leitlinien wird nach Angaben von Geske und seinen Kollegen nicht auf geschlechtsspezifische Strategien bei hypertrophischer Kardiomyopathie eingegangen. Sie hoffen, dass sich dies in künftigen Leitlinien ändert. Betroffene Frauen könnten von einer intensiveren Überwachung und einer medikamentösen Behandlung sowie davon profitieren, dass eine Septumreduktion frühzeitig erwogen wird.

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