Ärzte Zeitung online, 01.11.2017
 

Aufklärungs-Aktion

Herzinsuffizienz im Fokus der Herzwochen 2017

Die Herzstiftung startet am 1. November ihre Herzwochen zu Herzinsuffizienz: Mit bundesweiten Aktionen wird den ganzen Monat über Diagnose, Therapie und Prävention informiert.

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Häufig erkennen herzkranke Menschen die krankheitstypischen Warnzeichen nicht.

© psdesign1 / Fotolia

FRANKFURT/MAIN. "Viele herzkranke Menschen kennen weder die Ursachen der Herzschwäche noch die krankheitstypischen Warnzeichen. Besonders sind sie gefährdet, schleichend eine Herzschwäche zu bekommen, der Aufklärungsbedarf ist daher groß", betont Professor Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Deswegen veranstaltet die Herzstiftung vom 1. bis zum 30. November die bundesweiten Herzwochen mit mehr als 1000 kostenfreien Vorträgen und Seminaren unter dem Motto "Das schwache Herz", um über die Ursachen, Diagnose, Therapie und die Möglichkeiten der Vorbeugung der Herzschwäche zu informieren. Viele Betroffene wollen Beschwerden der Herzschwäche wie Atemnot, Abnahme der Leistungsfähigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen nicht wahrhaben oder schieben diese auf das Alter. "Die chronische Herzschwäche beginnt zumeist schleichend mit Atemnot und einer Leistungsabnahme", wird Meinertz in einer Mitteilung der Deutschen Herzstiftung zitiert.

Was tun bei Verdacht?

Besteht beim Hausarzt der geringste Verdacht auf eine Herzinsuffizienz, müsse der Patient zum Kardiologen zur genaueren Beurteilung der Herzsituation überwiesen werden, heißt es in der Mitteilung weiter. So führe hoher Blutdruck zur diastolischen Herzschwäche. Gefürchtet sei eine Entgleisung der Herzschwäche, weil sie ja häufig zu einer notfallmäßigen Krankenhauseinweisung führe. Zur Entgleisung kann es kommen, wenn etwa Medikamente nicht richtig eingenommen oder weggelassen werden oder wenn nicht auf einen gesunden Lebensstil durch Gewichtsnormalisierung, maßvolles Ausdauertraining (bei stabiler Herzschwäche), gesunde Ernährung (Mittelmeerküche) und Verzicht auf Rauchen und Alkohol geachtet wird.

"Bei der Therapie der Herzschwäche kommt es sehr auf eine aktive Rolle des Patienten an, damit es gar nicht erst zu einer Verschlechterung der Herzkrankheit kommt", so Meinertz. Arzt und Patient sollten gemeinsam den Verlauf der Krankheit verfolgen und auf die bekannten Warnsignale für eine Entgleisung achten, beispielsweise durch tägliche Gewichtskontrolle bei Tendenz zur Wassereinlagerung: Steigt das Körpergewicht mehr als 2 kg in drei Tagen an, hat sich die Herzschwäche verschlechtert.

Neben der täglichen Aufzeichnung des Körpergewichts in ein Tagebuch sollten auch der Puls und Blutdruck dokumentiert werden.

    Diese vier Vorgehensweisen kommen bei der Therapie der Herzinsuffizienz zur Anwendung:

  1. Behandlung der Ursachen: Einstellung des Bluthochdrucks, operative oder kathetergestützte Behandlung defekter Herzklappen, Bypassoperation oder Kathetereingriffe, um bei KHK Durchblutungsstörungen zu beheben und die Gefahr eines erneuten Herzinfarkts zu bannen.
  2. Medikamente: Betablocker, ACE-Hemmer und Sartane, ebenso Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA). Wirken diese Medikamente nicht, gibt es ein neues Medikament, das zu einer Senkung der Sterblichkeit und Verbesserung der Lebensqualität führt: Sacubitril/Valsartan.

    Bislang wird den europäischen Leitlinien entsprechend Sacubitril/Valsartan nur für Patienten empfohlen, die trotz der Behandlung mit Betablockern, ACE-Hemmern/Sartanen und MRA noch eine deutlich reduzierte Ejaktionsfunktion (unter 35 Prozent) und weiterhin Symptome der Herzschwäche aufweisen. Diuretika fördern die Entwässerung des Körpers und entlasten so das Herz.

    Herzglykoside (Digitalispräparate) werden heutzutage ja nur in schweren Fällen eingesetzt oder bei Patienten, die zusätzlich Vorhofflimmern mit deutlich zu hohen Herzfrequenzen trotz einer Therapie mit Betablockern haben.

  3. Bewegung als Therapie: Während früher Schonung bei Herzschwäche angeraten wurde, ist heute Bewegung eine wichtige Therapie. Allerdings muss die Belastbarkeit getestet werden. Bei Herzschwäche empfiehlt die Deutsche Herzstiftung körperliche Aktivitäten mit viel Bewegung bei vergleichsweise geringem Kraftaufwand wie Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich durch regelmäßiges Ausdauertraining je nach Intensität und Dauer die Leistungsfähigkeit um 10-25 Prozent verbessern lässt, Krankenhausaufenthalte reduziert und die Sterblichkeit gesenkt werden.
  4. Spezifische Schrittmacher: Eine Resynchronisationstherapie (CRT) mit speziellen Schrittmachern verbessert die Herzleistung bei Patienten mit einer Störung der Erregungsleitung im Herzen. Defibrillatoren schützen Herzschwächepatienten, die durch eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung gefährdet sind, vor dem plötzlichen Herztod. (eb)

Aktionspaket für Ärzte

Ein kostenfreies Aktionspaket mit Herztagebuch, Patientenratgeber, Wartezimmer-Plakat und Medikamenten-Pass zur Auslage im Wartezimmer kann online bestellt werden unter:

www.herzstiftung.de/aerzte-paket.html

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