Ärzte Zeitung online, 29.05.2018

Forschung

Studie zu Metformin gegen Herzinsuffizienz in Planung

BERLIN. Forscher der Charité wollen in einer Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) den Effekt von Metformin bei Herzinsuffizienz prüfen, teilt das DZHK mit. Rund 70 Prozent der Patienten mit Herzinsuffizienz hätten eine Insulinresistenz.

Insulin sorgt im Körper ja dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Zellen gelangt, vor allem in die Muskel-, Fett- und Leberzellen. Sind Zellen insulinresistent, ist ihr Energiestoffwechsel gestört. Glukose, aber auch Fette, werden nicht mehr gut aufgenommen und genutzt. Davon sind auch die Herzmuskelzellen betroffen.

Metformin bessert die Insulinsensitivität der Zellen und somit auch ihre Fähigkeit, Zucker aufzunehmen und daraus Energie zu gewinnen.

"Mit unserer Studie wollen wir überprüfen, ob über einen verbesserten Energiestoffwechsel die Effizienz des Herzens bei Herzschwäche-Patienten wieder gesteigert werden kann", wird Studienleiter und DZHK-Wissenschaftler Professor Wolfram Döhner von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, in der Mitteilung zitiert. In der Studie erhalten deshalb Herzinsuffizienz-Patienten 24 Wochen lang Metformin. Zurzeit werde die Insulinresistenz bei Herzinsuffizienz-Patienten nicht behandelt, so das DZHK.

Häufig werde sie auch nicht erkannt, da sie bei Routineuntersuchungen nicht auffalle. Aus einer Insulinresistenz könne sich, oft erst Jahre später, ja ein Diabetes mellitus Typ 2 entwickeln, erinnert das Zentrum. Er komme bei Herzinsuffizienz mit bis zu 40 Prozent deutlich häufiger vor als in der übrigen Bevölkerung und verschlechtere die Prognose zusätzlich.

Grundlage für den Studienansatz sind Beobachtungen zur Gabe von Metformin bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus Typ 2. Mit Metformin starben 13 Prozent weniger Patienten, außerdem sanken auch die Krankenhausaufenthalte. Allerdings gebe es noch keine kontrollierten klinischen Studien, die diese Ergebnisse belegen, so das DZHK. Ebenso gebe es nur sehr wenige Daten, die die zugrunde liegenden Mechanismen der positiven Metformin-Wirkung genauer untersuchen.

Deshalb überprüfen die Wissenschaftler in der METRIS-HF-DZHK18-Studie die Wirkung von Metformin auf mehreren Ebenen: Zum einen messen sie im Magnetresonanztomographen (MRT), ob der Herzmuskel wieder stärker kontrahieren und damit besser pumpen kann. Auch verschiedene Stoffwechselaspekte werden mit der MRT-Untersuchung erfasst. "Aber wir schauen uns auch die systemischen Effekte an, also wie sich Metformin auf die Muskulatur insgesamt auswirkt, ebenso auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel", so Döhner in der Mitteilung des DZHK. Außerdem betrachten die Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit der Patienten, zum Beispiel mit dem 6-Minuten-Gehtest, körperlichen Untersuchungen und beurteilen die Lebensqualität.

Sollte sich zeigen, dass Metformin tatsächlich die Funktionsfähigkeit des Herzens und damit die Beschwerden bei Herzschwäche-Patienten verbessert, dann werde sich daran eine weitere größere klinische Studie anschließen, teilt das DZHK mit. "Wenn die Hypothesen der Studie bestätigt werden, können wir damit eine ganz neue Therapiemöglichkeit für die Behandlung der Herzschwäche entwickeln", so Döhner. (eb)

Geplanter Start der Studie METRIS-HF-DZHK18 (Effect of Metformin in insulin resistant patients with heart failure with reduced ejection fraction) ist Herbst 2018. Gesucht werden zunächst Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die medikamentös bereits gut eingestellt sind. Drei Standorte der Charité – Universitätsmedizin Berlin beteiligen sich an der Studie: Campus Mitte, Campus Benjamin-Franklin und Campus Virchow-Klinikum. Kontakt: Tel. 030 450 560 414.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Einige Frauen sind besonders dufte

Für Männer-Nasen riechen einige Frauen besser als andere. Das hängt mit der Fortpflanzung zusammen, berichten Forscher aus der Schweiz. mehr »

Mysterium Blasenschmerz-Syndrom

Bis zu 60 Mal am Tag auf die Toilette: Die interstitielle Zystitis, auch Blasenschmerz-Syndrom genannt, ist wenig bekannt. Die deutschen Urologen haben nun erstmals Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie herausgebracht. mehr »