Ärzte Zeitung online, 03.01.2019

Neuer Ratgeber

Depressionen bei Herzschwäche im Fokus

Wie lassen sich bei Patienten mit Herzinsuffizienz Depressionen erkennen? Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es? Experten der Deutschen Herzstiftung informieren.

FRANKFURT / MAIN. Luftnot, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen: Herzinsuffizienz schränkt bei vielen Betroffenen massiv die Lebensqualität ein.

„Zu den körperlichen Beschwerden kommen häufig psychische Probleme wie Depression, Angst und eine verringerte geistige Leistungsfähigkeit hinzu. Mindestens ein Viertel der Patienten mit Herzschwäche hat nicht nur depressive, sondern auch ängstliche Symptome“, erinnert Herzspezialist Professor Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung in einer Mitteilung der Stiftung.

Welche Pharmakotherapie kommt infrage?

Klassische Antidepressiva seien bei Patienten mit Herzinsuffizienz oft nicht geeignet oder weniger wirksam als bei Depressiven ohne körperliche Einschränkungen, so die Stiftung.

- Besonders die trizyklischen Antidepressiva sollten wegen vegetativer Nebenwirkungen sowie der Gefahr von Herzrhythmusstörungen und einer Steigerung der Infarkthäufigkeit bei Herzkranken möglichst vermieden werden.

- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) seien zwar besser verträglich, könnten aber ungünstige Wechselwirkungen mit manchen Herzmedikamenten haben. Neuere Studien, die SSRI mit einem Scheinmedikament verglichen, hätten zudem ergeben, dass SSRI bei vielen Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz – wie übrigens auch bei anderen chronischen körperlichen Erkrankungen – depressive Symptome nicht mildern.

Warum Antidepressiva bei Patienten mit Herzinsuffizienz schlechter zu wirken scheinen als bei Herzgesunden, ist noch nicht abschließend erforscht, erinnert die Herzstiftung in ihrer Mitteilung. Möglich sei aber, dass die Depressionsursachen bei schweren chronischen Krankheiten wie der Herzschwäche andere sind als bei körperlich gesunden Menschen.

Psychotherapie bringt Vorteile

Dennoch gebe es auch bei Herzinsuffizienz gute Möglichkeiten, die depressiven Symptome zu behandeln.

„Psychotherapie, vor allem kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, kann oft sowohl die Stimmung als auch die Lebensqualität von Herzpatienten verbessern“, erläutert die Kardiologin Professor Christiane E. Angermann vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) am Universitätsklinikum Würzbur gin der Mitteilung der Herzstiftung.

„Durch die kognitive Verhaltenstherapie können im Gespräch mit dem Therapeuten negative Denkmuster und Einstellungen sowie Defizite in der Wahrnehmung abgebaut werden.“

Körperliches Training bessert die Durchblutung in Gehirn und Muskulatur und stärkt dadurch die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit von Herzpatienten. „All das wirkt sich auch günstig auf die Depression und deren Symptome wie verminderte Konzentrationsfähigkeit und Schlaflosigkeit aus.“

Ratgeber bringt Tipps

Patienten mit Herzinsuffizienz könnten zudem von gezielt auf die Herzschwäche zugeschnittenen multidisziplinären Betreuungsprogrammen profitieren.

Welche Therapien Herzpatienten mit Depression helfen können und wo sie Hilfe finden, darüber informiert der Ratgeber der Herzstiftung „Das schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute“. In dem Ratgeber berücksichtigte Fragebögen ermöglichen es Patienten, sich selbst auf Anzeichen einer Depression zu testen. (eb)

Der Experten-Ratgeber kann bestellt werden unter Tel. 069 955128400 oder unter www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

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