Ärzte Zeitung, 07.02.2007

Kardiologen steuern Herzkatheter per Joystick

Neues Verfahren hilft, Röntgenstrahlung zu verringern / Stereotaxie-Arbeitsplatz eignet sich zur Therapie bei Herzrhythmusstörungen

MANNHEIM (gvg). Keine Röntgenschürze, keine Handschuhe: Kardiologen in Mannheim steuern den Herzkatheter per Joystick. Das neue Verfahren reduziert die Strahlenbelastung für Ärzte und Patienten, beschleunigt den Eingriff und erhöht die Präzision.

Kollegen am neuen Stereotaxie-Arbeitsplatz in Mannheim. Einige Meter vom Patienten entfernt steuern sie die Untersuchung. Foto: Uni Mannheim

Für neue Untersuchungsverfahren interessieren sich im Informationszeitalter auch immer mehr Patienten. Ihnen einen Schritt voraus zu sein, gilt es für Kollegen. So etwa, wenn es um die Therapie bei Herzrhythmusstörungen per Katheter am Stereotaxie-Arbeitsplatz geht.

Wenn Professor Martin Borggreve von der Uni Mannheim seine Erfahrungen schildert, klingt das stark nach einem Computerspiel: "Wir bringen einfach einen kleinen Motor am Bein des Patienten an, legen den nötigen Gefäßzugang für den Katheter und gehen dann aus dem Raum. Den Rest machen wir per Joystick".

Tatsächlich arbeitet der Stereotaxie-Arbeitsplatz - den es etwa auch an den Unis Hamburg und Aachen gibt - mit einer 3D-Simulation des Herzens. Das Herz des Patienten wird im Vorfeld des Eingriffs mit Computertomografie oder Kernspin untersucht.

Während der Arzt den Herzkatheter per Joystick durch Blutgefäße und Herzkammern manövriert, informieren zwei Magnetfelder in Echtzeit über die Position des Katheters. Beide Informationen werden von einem Computer zusammengeführt. Das Resultat ist, dass die Ärzte in jedem Augenblick sehen können, wo der Katheter gerade liegt.

Bei herkömmlicher Technik wird der Katheter unter Durchleuchtung platziert. "Bei bisher 60 Patienten, die wir in Mannheim untersucht haben, war die Gesamtbestrahlungsdauer mit dem neuen Verfahren im Mittel um 60 Prozent kürzer als vorher", sagte Borggreve zur "Ärzte Zeitung". Auch die Steuerung ist präziser: "Vor allem bei der Ablation von Vorhofflimmern gab es oft Probleme im Bereich der rechten Pulmonalvenen und am Vorhofdach", so Borggreve. Per Joystick sind auch diese Regionen leicht zu erreichen.

Demnächst sollen auch kompliziertere Dilatationen an den Koronargefäßen per Joystick gemacht werden. Vor allem bei Engstellen an rechtwinklig abgehenden Gefäßen könnte das Verfahren Vorteile haben. Auch der Herzkatheter per Telemedizin wird möglich. Kürzlich beseitigten Mailänder Ärzte eine Herzrhythmusstörung per Ablation - bei einem Patienten in Boston in den USA.

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