Ärzte Zeitung, 15.10.2007

INTERVIEW

Rhythmusstörung oder Herzinsuffizienz - was ist die Henne, was das Ei?

Herzrhythmusstörungen sind ein wichtiges Thema in der Praxis. Kardiologen haben dazu extra ein Symposium veranstaltet. Wie kommt es zu Rhythmusstörungen, was kann für die Patienten getan werden? Nachgefragt bei Professor Erland Erdmann von der Uni Köln hat Dr. Christiane Inholte von der "Ärzte Zeitung".

Ärzte Zeitung: Worüber diskutieren Kardiologen beim Thema Herzrhythmusstörungen?

Professor Erland Erdmann: Ein interessanter Diskussionspunkt war: Sind Rhythmusstörungen die Ursache der Herzinsuffizienz, oder ist die Herzinsuffizienz die Ursache von Rhythmusstörungen?

Tachykarde Rhythmusstörungen findet man häufig als Ursache für eine Herzinsuffizienz - wenn man daran denkt und danach fahndet. Meistens handelt es sich um eine Tachyarrhythmie, die zur Kraft- und Funktionseinbuße des linken Ventrikels führt. Auch bei sehr vielen ventrikulären Extrasystolen oder bei Vorhofflattern kann es zu einer Tachymyopathie mit niedriger Auswurffraktion kommen. Die ist nach erfolgreicher Therapie - medikamentös oder durch Ablation - oft weitgehend oder vollständig reversibel.

In den meisten Fällen wird eher die Herzinsuffizienz als Ursache für Rhythmusstörungen angenommen. Differenzialdiagnostisch ist das nicht einfach auseinanderzuhalten. Offen bleibt die Frage: Was ist die Henne, was das Ei?

Ärzte Zeitung: Was bedeutet das für die Praxis?

Erdmann: Für die Praxis ist wichtig, bei Tachyarrhythmie und Herzinsuffizienz alle therapeutischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Das sollte bis zur Ablation der Foci in einem darauf spezialisierten Zentrum gehen.

Ärzte Zeitung: Was raten Sie Ihren niedergelassenen Kollegen?

Erdmann: Bei der Tachymyopathie ist - ebenso wie bei der Herzinsuffizienz - meist das BNP (B-Typ Natriuretischen Peptid) als Ausdruck der verstärkten Wandspannung erhöht. Wird der Patient erfolgreich behandelt, sinkt das BNP wieder ab.

Ein weiterer Hinweis ist, dass die Sarkoidose und Borreliose Ursachen für Rhythmusstörungen sein können - die in der Folge zur Herzinsuffizienz führen. Zwar sind die Ursachen selten, aber dafür sind Betroffene kausal therapierbar.

Drittens möchte ich auf die günstige Rolle der Betablocker bei Therapie von Patienten mit Herzinsuffizienz und tachykarden Rhythmusstörungen hinweisen. Auch alle Patienten mit ICD (implantierbarer Cardioverter Defibrillator) sollten mit einem Betablocker behandelt werden. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Betablockerdosis etwa in zweiwöchigen Abständen gesteigert wird: von 1,25 mg bis etwa 7,5 bis 10 mg Bisoprolol als Zieldosis. Zu niedrige Dosierungen mit weiterhin hohen Herzfrequenzen sind nutzlos. Die Frequenz sollte auf etwa 60 Herzschläge pro Minute gesenkt werden.

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