Ärzte Zeitung online, 17.04.2009

Patienten mit Vorhofflimmern werden in Deutschland gut behandelt

MANNHEIM (eb). Die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern wird in Deutschland immer besser. Die meisten Patienten werden in Deutschland gut und im internationalen Vergleich sogar sehr gut behandelt. Das geht aus den aktuellen Auswertungen eines bundesweiten Patientenregisters mit rund 10 000 Patienten hervor.

Die Auswertung hat das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) des Universitätsklinikum Münsters gemacht. Mehr als zwei Drittel der im Register erfassten Patienten bekommen eine kontinuierliche Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten, wenn sie die benötigen.

"Das ist eine erfreulich hohe Rate", sagte Professor Paulus Kirchhof vom AFNET beim Kardiologenkongress in Mannheim. Blutverdünner sollen Schlaganfälle bei Vorhofflimmern verhindern.

"Medikamente, die Vorhofflimmern verhindern sollen , werden vor allem bei Patienten mit Beschwerden bei Vorhofflimmern gegeben. Moderne Verfahren, um Vorhofflimmern zu verhindern, etwa die Katheterablation, werden ebenfalls relativ häufig eingesetzt."

Bis zu zwei Millionen Menschen mit Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die bei weitem häufigste anhaltende Rhythmusstörung. Es betrifft mindestens eine, eventuell sogar zwei Millionen Menschen in Deutschland. Außer eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerz oder Atemnot hat Vorhofflimmern weitere schwerwiegende Folgen. Etwa jeder vierte Schlaganfall entsteht aufgrund von Vorhofflimmern, und es verdoppelt die Sterblichkeit.

Bei detaillierteren Untersuchungen der Register-Daten fand sich eine hohe Versorgungsqualität in allen Bereichen, auch und gerade im internationalen Vergleich. Kirchhof: "Es gibt aber auch kleine Unterschiede, die Rückschlüsse erlauben, wie die Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern weiter verbessert werden kann. Durch die Nachbeobachtung im Register wird es möglich sein, nachzuprüfen, wie sich diese Unterschiede in der Versorgung auch auf die Folgen von Vorhofflimmern für unsere Patienten auswirken werden."

Kompetenznetz Vorhofflimmern

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten mit dem Ziel, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmer-Patienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Wissenschaftlicher Leiter des Registers ist Professor Gerhard Steinbeck (Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Universität München).

www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

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