Ärzte Zeitung online, 30.08.2009

Vorhofflimmern: Fortschritt bei der Verhütung von Schlaganfällen

BARCELONA (ob). In der antithrombotischen Therapie bei Vorhofflimmern ist endlich ein Fortschritt in Sicht: Mit dem Thrombinhemmer Dabigatran könnte die bei dieser Arrhythmie häufig notwendige Schlaganfall-Prophylaxe künftig wirksamer, sicherer und einfacher in der praktischen Handhabung werden.

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Foto: Andrea Danti©www.fotolia.de

Bei den meisten Patienten mit Vorhofflimmern ist wegen eines erhöhten Schlaganfallrisikos eine antithrombotische Therapie indiziert. Standard ist die orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon. Trotz bestens dokumentierter Wirksamkeit erscheint diese Form der Prophylaxe aus mehreren Gründen als suboptimal. So ist zum Beispiel die Wirkung durch den Einfluss der Ernährung variabel. Deshalb müssen Patienten häufig und regelmäßig ihre Gerinnung überprüfen lassen und gegebenenfalls die Dosis anpassen. Seit Langem schon sehnen auch Experten deshalb eine bessere Alternative in der Antikoagulation herbei.

Eine solche Alternative scheint endlich gefunden zu sein. Mit dem oralen Thrombinhemmer Dabigatran hat jetzt erstmals ein neues Antikoagulans den Vergleichstest mit einem Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin) in der bislang größten klinischen Studie bei Vorhofflimmern erfolgreich bestanden.

Dabigatran kam in dieser RELY genannten Studie* in zwei Dosierungen (110 mg oder 150 mg, jeweils zweimal täglich) zur Anwendung. In beiden Dosierungen erwies sich der neue Thrombinhemmer dem bisherigen Standard in der Schlaganfall-Prophylaxe als mindestens gleichwertig ("nicht unterlegen").

Für beide Dosierungen ergaben sich aber darüber hinaus klinisch relevante Vorteile: Bei Therapie in der niedrigeren Dosis kam es (bei gleicher Wirksamkeit) signifikant seltener zu schweren Blutungskomplikationen. In der höheren Dosierung reduzierte Dabigatran die Schlaganfallrate in signifikant stärkerem Maße (relativ um 34 Prozent) als die konventionelle Antikoagulation.

*Die Studie: Mehr als 18 000 Patienten mit Vorhofflimmern und erhöhtem Schlaganfallrisiko nahmen teil. Das Akronym RELY steht für Randomized Evaluation of Longterm anticoagulant therapY. Die Studie wurde am Sonntag beim Kardiologenkongress in Barcelona vorgestellt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Paradigmenwechsel bei Vorhofflimmern?

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Verbesserte orale Antikoagulation in Sicht

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