Ärzte Zeitung, 16.02.2010

COPD beeinträchtigt früh die Herzfunktion

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) beeinträchtigen die Herzfunktion - und dies nicht erst im Spätstadium, sondern nach neuen Studiendaten schon bei geringen und noch asymptomatischen Lungenveränderungen.

Von Peter Overbeck

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Lungenerkrankungen wie COPD ziehen das Herz in Mitleidenschaft. © Kaulitzki / fotolia.com

NEW YORK. Dass eine schwere COPD das Herz in Mitleidenschaft zieht, ist gut bekannt: Gravierendste kardiale Komplikation ist in diesem Stadium das Cor pulmonale. Infolge der Hypoxie kommt es zur pulmonalen Vasokonstriktion, die zunächst reversibel ist, dann aber zu irreversiblen strukturellen Gefäßveränderungen (Remodeling) führen kann.

Der rechte Ventrikel muss gegen einen erhöhten Widerstand in der Lungenstrombahn anpumpen. Als Folge der erhöhten Druckbelastung kann sich ein Rechtsherzversagen entwickeln. Gleichzeitig ist auch die Füllung des linken Ventrikels beeinträchtigt: das linksventrikuläre Volumen ist verringert, entsprechend auch das Schlagvolumen und Herzminutenvolumen.

Anscheinend sind Einschränkungen der Herzfunktion bei COPD aber auch dann schon existent, wenn Dauerhusten, Schleim und Kurzatmigkeit die Patienten noch nicht quälen. Das belegen US-Mediziner jetzt erstmals mit neuen Daten eines Teilkollektivs der MESA*-Studie, einer epidemiologischen Untersuchung, in der es primär um Häufigkeit und Progression subklinischer Gefäßerkrankungen bei unterschiedlichen ethnischen Gruppen geht.

Grundlage der aktuellen Analyse (NEJM 2010; 362: 217) bilden die kardialen MRT-Aufnahmen von 2816 der insgesamt knapp 7000 Studienteilnehmer. Bei diesen Personen gab es keine Anzeichen für Herz- oder schwere Lungenerkrankungen.

Anhand der MRT-Aufnahmen bestimmten die Untersucher Struktur und Funktion des linken Ventrikels, zudem erlaubten die Bilder, das Ausmaß emphysematöser Lungenveränderungen zu ermitteln. Alle Teilnehmer wurden zur Bestimmung der Atemwegsobstruktion zudem einem Lungenfunktionstest unterzogen. Die kardialen Befunde wurden dann in Beziehung zu den Ergebnissen der Lungenuntersuchungen gesetzt.

Dabei zeigte sich, dass die COPD mit einer Abnahme des linksventrikulären enddiastolischen Volumens, des Schlagvolumens und des Herzminutenvolumens assoziiert war. Wichtiger noch als diese Beobachtung ist jedoch die Tatsache, dass diese Assoziation linear war: Je ausgeprägter das Emphysem, desto ausgeprägter war auch die damit verbundene Beeinträchtigung der kardialen Hämodynamik.

Diese Linearität impliziert, dass subklinische Veränderungen der Herzfunktion auch schon in frühen COPD-Stadien mit nur geringgradigem Emphysem vorhanden waren. Eine ähnliche Beziehung bestand zwischen dem Grad der Atemwegsobstruktion und der Herzfunktion. Keinen Einfluss hatte der Schweregrad des Emphysems hingegen auf die linksventrikuläre Auswurffraktion.

ESA steht für: Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis

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