Ärzte Zeitung online, 19.10.2010

Herzstillstand: Kompression vor Atemspende

NEU-ISENBURG (ob). Bei kardial bedingtem Herzstillstand sind sofortige Brustkompressionen die wichtigste Maßnahme zur Wiederbelebung. Sie rangieren heute klar vor der Mund-zu-Mund-Beatmung.

Herzstillstand: Kompression vor Atemspende

Herzdruckmassage eines Laienhelfers: laut neuer US-amerikanischer Leitlinie die erste Maßnahme noch vor der Beatmung.

© Dron / fotolia.com

Dem hat die kardiologische Fachgesellschaft "American Heart Association" nun in ihren aktualisierten Leitlinien für die kardiopulmonale Wiederbelebung Rechnung getragen (Circulation 2010; 122:S640-S656).

Ihre bisherige Empfehlung lautete, bei der Reanimation nach der leicht zu merkenden ABC-Formel vorzugehen: Atemwege frei machen (A), Beatmung (B) und Brustkompressionen (C). In den neuen Leitlinien wird jetzt ein Vorgehen nach der weniger griffigen CAB-Formel empfohlen. Danach ist die Herzdruckmassage noch vor der Atemspende jetzt die Sofortmaßnahme von höchster Priorität.

Damit vollzieht die Fachgesellschaft eine Anpassung ihrer Leitlinien an den durch Studien gesicherten Wissensstand. Erst kürzlich haben Notfallmediziner der Universität Wien in einer Metaanalyse drei randomisierte Studien zusammengefasst.

Dort wurden die Überlebensraten in zwei verschiedenen Subgruppen von Patienten mit einem Herzstillstand verglichen. Die einen wurde von Laienhelfer nur mit der Brustkompression reanimiert, die anderen erhielten eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Alle Laienhelfer wurden von den benachrichtigten Rettungsleitstelle zu den Maßnahmen angewiesen (Lancet 2010 online).

Diese Metaanalyse, die auf Daten von über 3000 Patienten basiert, ergab einen statistisch signifikanten, wenn auch klinisch nur moderaten Vorteil der "compression only"-Strategie.

In der Gruppe mit alleiniger Herzdruckmassage betrug die Überlebensrate 14 Prozent, in der Gruppe mit Thoraxkompressionen und Atemspende lag sie bei 12 Prozent. Die Überlebensrate wurde damit relativ um 22 Prozent und absolut um 2,4 Prozentpunkte verbessert.

[22.10.2010, 09:51:43]
Tanja Schulz 
Kompression vor Atemspende gibt es schon lange
Völlig irritiert verfolge ich die aktuellen Pressemeldungen zur CPR.
Bereits in den Leitlinien von 2005 wurde gefordert, die Herzdruckmassage vor der Atemspende zu beginnen. So wird es auch von den HIlfsorganisationen seitdem gelehrt. Was neu ist, und zukünftig in Erste Hilfe Kursen auch so gelehrt werden soll, ist dass auf die mögliche Schnappatmung bei einem plötzlichen Herzstillstand stärker eingegangen werden soll, damit die Ersthelfer diese nicht fälschlich für eine vorhandene Atmung halten.
Seit 2006 wird nach Feststellen des Atemstillstandes direkt mit der Herzkompression begonnen!

Tschulz
Ausbilderin für Erste Hilfe, Erste Hilfe am Kind und Sanitäter. zum Beitrag »

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