Ärzte Zeitung online, 11.11.2010

Kardiologe plus Hausarzt - Teamwork zahlt sich aus bei Herzinsuffizienz

TORONTO (ob). Zwei sind besser als einer: Arbeiten Herzspezialist und allgemeinmedizinisch tätiger Hausarzt frühzeitig eng zusammen, sind die gesundheitlichen Perspektiven für Patienten mit akuter Herzinsuffizienz nach ihrer Entlassung aus der Klinik relativ am besten.

Kardiologe plus Hausarzt - Teamwork zahlt sich aus bei Herzinsuffizienz

Eine enge Zusammenarbeit von Hausarzt und Kardiologen kommt Herzpatienten sehr zugute.

© Andreas Keudel / fotolia.com

Herzinsuffizienz ist einer der häufigsten Gründe für Klinikeinweisungen bei älteren Menschen. Stationäre Aufnahmen wegen akuter Herzinsuffizienz sind mit einem erhöhten Risiko für Tod und Wiedereinweisung in der Phase nach der Entlassung assoziiert. Diese Patienten sollten deshalb schon möglichst früh in die ambulante ärztliche Betreuung überwechseln.

Wie es um diese Betreuung im Praxisalltag bestellt ist und welche Konsequenzen daraus für die Patienten resultieren, haben Mediziner der Universität Toronto jetzt in einer Studie untersucht (Circulation 2010: 122: 1806). Deren Grundlage bildeten die Daten von 10 599 Patienten, die zwischen 2004 und 2007 in Ontario wegen akuter Herzinsuffizienz auf Intensivstationen behandelt und danach direkt entlassen worden waren. Die kanadischen Forscher haben bei diesen Patienten danach geschaut, von welchen Ärzten sie in den ersten 30 Tagen nach Entlassung betreut worden waren und welchen Einfluss die Art der Betreuung auf die Prognose hatte.

Dabei fiel zunächst negativ auf, dass immerhin jeder fünfte Patient (18,8 Prozent) im ersten Monat überhaupt keinen Kontakt mit einem Arzt hatten. Bei den meisten (62,2 Prozent) kümmerte sich ein Allgemeinmediziner um die medizinische Versorgung. Eine Minderheit (13,9 Prozent) wurde gemeinsam von einem Herzspezialisten (Kardiologe oder kardiologisch tätiger Internist) und einem Allgemeinmediziner betreut; nur 5 Prozent sahen ausschließlich einen Kardiologen.

Von allen Patienten hatten diejenigen, die in den ersten 30 Tagen keinen Arztkontakt hatten, die schlechteste Prognose. In dieser Gruppe betrug die 1-Jahres-Mortalität 15,5 Prozent. Patienten. die ausschließlich von Allgemeinmedizinern oder Herzspezialisten betreut wurden, hatten im Vergleich dazu ein deutlich geringeres Risiko für Ereignisse wie Tod und erneute Klinikeinweisung.

Die wenigsten klinischen Ereignisse waren aber in der Gruppe der Patienten zu verzeichnen, bei denen Herzspezialist und Allgemeinmediziner Hand in Hand arbeiteten. In dieser Gruppe war das Sterberisisko im Vergleich zu rein hausärztlich betreuten Patienten relativ um 21 Prozent niedriger.

Die Studie gibt auch Aufschluss über mögliche Gründe. Die Zusammenarbeit von Spezialist und Allgemeinmediziner hatte nämlich zur Folge, dass häufiger kardiologische Funktionstests (Messung der linksventrikulären Auswurffraktion), nicht invasive Belastungstests zur Ischämie-Abklärung oder Herzkatheter-Untersuchungen veranlasst wurden. Gemeinsam betreute Patienten erhielten zudem häufiger prognoseverbessernde Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker und Aldosteronblocker.

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