Ärzte Zeitung online, 20.08.2011

Einstellung der Herzfrequenz: Herz toleriert "neue Lockerheit"

In der frequenzregulierenden Behandlung bei Vorhofflimmern sind die Zügel jüngst gelockert worden. Auch eine weniger strenge Einstellung der Herzfrequenz ist möglich, ohne dass - mit Blick auf klinische Komplikationen - mit Nachteilen zu rechnen ist. Und auch am Herzen selbst richtet die "neue Lockerheit" nach aktuellen Studiendaten keine Schäden an.

GRONINGEN (ob). Noch bis vor kurzem galt bei Vorhofflimmern die Empfehlung, im Falle einer Frequenzkontrolle als Behandlungsstrategie eine Ruheherzfrequenz im Bereich zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute anzustreben.

Obergrenze für die Frequenz jetzt bei 110/min

Die 2010 herausgegebenen neuen Leitlinien räumen dagegen mehr "Freizügigkeit" in puncto Zielwert ein: Danach reicht es - eine gute Symptomkontrolle vorausgesetzt -heute aus, wenn die Herzfrequenz unterhalb einer Obergrenze von 110 Schlägen pro Minute liegt.

Grund für diese Lockerung sind die Ergebnisse der RACE-2-Studie. In dieser Studie war die Rate kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb von drei Jahren mit 12,9 versus 14,9 Prozent in der Gruppe mit moderater Frequenzeinstellung (durchschnittliche Herzfrequenz: 93/min) nicht höher als in der Gruppe mit strenger Einstellung (durchschnittliche Herzfrequenz: 76/min).

Unklar blieb allerdings, was sich am Herzen selbst abgespielt hat. Vielleicht hatte die höhere Herzfrequenz bei weniger strikter Behandlung ja doch ungünstige Auswirkungen auf das Herzgefüge (adverse cardiac remodeling), deren klinische Folgen erst nach vielen Jahren sichtbar würden?

Eine neue, auf echokardiografischen Daten basierende Analyse der RACE-2-Studie kann diese Befürchtung allerdings entkräften und für Beruhigung sorgen (J Am Coll Cardiol 2011; 58: 942).

Eine Subgruppe von 517 Studienteilnehmern ist zu Beginn und dann im Schnitt wieder nach drei Jahren mittels Echokardiografie am Herzen untersucht worden. Geschaut wurde, ob anhand von Parametern wie linksatrialer Durchmesser, linksatriales Volumen und linkventrikulärer enddiastolischer Durchmesser kardiale Veränderungen im Sinne eines ungünstigen "Remodeling" zu entdecken waren.

In beiden Gruppen keine Anzeichen für "Remodeling"

Das beruhigende Ergebnis: In keiner von beiden Behandlungsgruppen kam es im Studienverlauf zu einer signifikanten Veränderung der gemessenen Parameter.

Als einziger unabhängiger Prädiktor stellte sich weibliches Geschlecht heraus: Bei Frauen war anhand der drei echokardiografischen Messparameter eine progrediente Erweiterung von linkem Vorhof und Ventrikel festzustellen.

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