Peter Overbeck zu weit. Er meint: Auf eine "Heilung" können die Patienten nicht hoffen, für das Gros der Betroffenen ist die Ablation nicht geeignet." /> Der Standpunkt zur Katheterablation: Ein Anzug, der nicht allen passt
Ärzte Zeitung, 17.05.2012

Der Standpunkt

Ein Anzug, der nicht allen passt

Die Katheterablation bei Vorhofflimmern wird häufig als „kurativer Therapieansatz“ gefeiert. Das geht Peter Overbeck zu weit. Er meint: Auf eine „Heilung“ können die Patienten nicht hoffen, für das Gros der Betroffenen ist die Ablation nicht geeignet.

Ein Anzug, der nicht allen passt

Peter Overbeck ist stellv. Ressortleiter im Ressort Medizin. Schreiben Sie ihm: peter.overbeck@ springer.com

Die Katheterablation bei Vorhofflimmern entwickelt sich rasant - nicht nur in technischer Hinsicht. Der "Herzbericht 2010" weist für Deutschland bereits mehr als 44.000 Ablationen aus - im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 6,8 Prozent.

Und die jetzt bekannt gewordenen Studienergebnisse, wonach die kathetergestützte Radiofrequenz-Ablation bei symptomatischem Vorhofflimmern auch als First-line-Option ihre Vorzüge hat, dürften diesen Trend wohl noch beschleunigen. Da kann es nicht schaden, einmal einen nüchternen Blick auf diese häufig schon als "kurativen Therapieansatz" gefeierte Methode zu werfen.

Eines ist glasklar: Ein Therapieverfahren für das Gros der zumeist älteren Patienten, die außer Vorhofflimmern typischerweise noch weitere Begleiterkrankungen aufweisen, ist die Ablation nicht. Am besten funktioniert sie bei relativ jungen Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern, die keine relevante strukturelle Herzerkrankung haben.

Eine entsprechende Selektion fand auch in der aktuellen Studie statt, in der das Durchschnittsalter mit 55 Jahren relativ niedrig und Komorbiditäten kaum vorhanden waren. Schon bei Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern ist die der Initiierung und Perpetuierung der Arrhythmie zugrunde liegende Pathophysiologie viel komplexer und die Erfolgsrate der Ablation deutlich schlechter - vom lang anhaltenden persistierenden Vorhofflimmern ganz zu schweigen.

Auch ist die Ablation von einer idealen, dem Patienten "Heilung" versprechenden Therapie weit entfernt. Ohne Zweifel ist sie in ihrer Wirksamkeit besser als die medikamentöse Therapie mit Antiarrhythmika. Allerdings ist es auch in der aktuellen Studie, in der zumeist erfahrene Ablationsspezialisten mit hoher Expertise die Behandlung vornahmen, nur bei jedem zweiten Patienten gelungen, rezidivierende Arrhythmie-Episoden vollständig zu eliminieren.

Der Wunsch von Patienten, durch die Katheterablation von der Lästigkeit einer Langzeit-Antikoagulation erlöst zu werden, muss deshalb leider Wunsch bleiben.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Vorhofflimmern: Katheterablation auf Erfolgskurs

[08.06.2012, 11:42:23]
Rudolf Egeler 
Katheterablation
Vielen Dank für Ihre kritische Stellungnahme.Es ist nur leider anzunehmen
(bisher keine weiteren Leserkommentare), dass die In Frage kommenden Spe -
zialisten diese Kritik nicht lesen, sodass wir in wenigen Jahren dieselbe Steigerungsrate in D wie bei Herzkatheteruntersuchungen erreichen werden und mal wieder auch auf diesem Gebiet Weltmeister sein werden. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »