Klinik Report, 06.07.2015

Herzrhythmusstörung

Freispruch für Koffein?

Patienten mit Herzrhythmusstörung wird nicht selten geraten, möglichst wenig koffeinhaltige Getränke wie Kaffee zu sich nehmen. Eine neue Studie stellt diesen Rat jetzt in Frage.

BOSTON. Die Auswertung basiert auf der Cardiovascular Health Study, einer im Jahr 1989 gestarteten, populationsbasierten US-Kohorte, an der über 5000 Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen teilnehmen, die damals schon älter als 65 Jahre waren.

Bei 1414 zufällig ausgewählten Studienteilnehmer aus dieser Kohorte wurden 24-Stunden-EKGs angefertigt. Deren Ergebnisse wurden mit von den Patienten via Fragebogen erhobenen Angaben zur Ernährung und speziell zum Kaffee- Tee- und Schokoladenkonsum in Beziehung gesetzt.

Die Analyse wurde von Wissenschaftlern der Universitäten von Kalifornien, Oregon und Washington bei der Tagung der Heart Rhythm Society 2015 (HRS 2015) in Boston als Poster vorgestellt.

Spezifisch untersucht wurden vorzeitige atriale Kontraktionen (PAC) sowie vorzeitige ventrikuläre Kontraktionen (PVC). Beide sind mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität assoziiert und gelten bei vielen Klinikern als mit Koffeinkonsum vergesellschaftet, obwohl es dafür wenig Belege gibt.

Kardiale Ektopien nicht vermehrt

Die neue Auswertung liefert einen solchen Beleg auch nicht. Zwischen dem wöchentlichen Kaffeekonsum und der Häufigkeit von PAC bzw. PVC gab es keinerlei positive Korrelation. Ebenfalls keine Korrelation gab es zwischen PAC/PVC und dem Konsum von Tee sowie dem Konsum von Schokolade.

Die Autoren plädieren angesichts dieser Ergebnisse dafür, endlich damit aufzuhören, Patienten mit Herzrhythmusstörungen vom Kaffeekonsum abzuraten.

Sie weisen außerdem darauf hin, dass auch eine im Jahr 2014 publizierte Metaanalyse keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Vorhofflimmern bei hohem Kaffeekonsum erbracht habe. (gvg)

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