Ärzte Zeitung, 09.07.2015

Vorhofflimmern

Ist eine Kardioversion gut fürs Gehirn?

Die kognitiven Folgen des Vorhofflimmerns werden diskutiert. Günstig scheint eine Kardioversion zu sein.

MAILAND. Kardiologen aus Island haben jetzt Hinweise darauf gefunden, dass eine erfolgreiche Kardioversion den zerebralen Blutfluss verbessert.

Die Daten stammen aus der noch laufenden Neuro-MRT-Studie bei Vorhofflimmern. Erste Auswertungen der Untersuchung hat Dr. Marianna Gardarsdottir vom Universitätskrankenhaus in Reykjavik bei der Tagung EHRA EUROPACE - CARDIOSTIM 2015 in Mailand vorgestellt.

Die Analyse basiert auf 26 Patienten, die zu Studienbeginn im Vorhofflimmern waren und bei denen deswegen eine Kardioversion anstand.

Unmittelbar vor und noch einmal zehn Wochen nach der Kardioversion bestimmten die Experten mithilfe einer Phasen-Kontrast-MRT den zerebralen Blutfluss (CBF).

Per arterieller Spinmarkierung (arterial spin labeling, ASL) wurde außerdem die Hirnperfusion gemessen.

Der zerebrale Blutfluss nahm dabei nach der Kardioversion signifikant zu. So zeigte sich, dass bei jenen Patienten, bei denen durch die Kardioversion ein stabiler Sinusrhythmus erreicht wurde, der CBF signifikant von 557 auf 627 ml/min anstieg.

Die Hirnperfusion nahm in ähnlichem Umfang und ebenfalls signifikant zu von 35,6 ml/100 g/min auf 40,8 ml/100 g/min.

In der Gruppe derer, die durch die Kardioversion nicht dauerhaft in den Sinusrhythmus zurückkehrten, nahmen CBF und Hirnperfusion im Unterschied dazu dezent, aber nicht statistisch signifikant ab. Maßgeblich war jeweils eine EKG-Aufzeichnung unmittelbar vor der zweiten MRT.

Hintergrund dieser Untersuchung ist, dass in mittlerweile mehreren Beobachtungsstudien Hinweise dafür gefunden wurden, dass Vorhofflimmern bei den Betroffenen mit einer Verringerung der kognitiven Leistungsfähigkeit und auch mit einer Verringerung des Hirnvolumens korreliert. Dies könnte Folge von Mikroembolien sein.

Sind die Ergebnisse jedoch relevant für die kognitive Funktion? Die aktuelle Studie bringt jetzt mit der Verringerung des CBF einen weiteren potenziellen Mechanismus ins Spiel, der kognitive Defizite bei Patienten mit langjährigem Vorhofflimmern erklären könnte, berichten die isländischen Kardiologen. Bewiesen sei das aber noch nicht.

Um einen möglichen kausalen Zusammenhang weiter auszuleuchten, wäre es nötig, Vorhofflimmern, CBF sowie Hirnperfusion und kognitive Leistungsfähigkeit in einer längerfristigen Studie prospektiv miteinander in Beziehung zu setzen. (gvg)

Mehr Informationen zur Kardiologie unter www.kardiologie.org

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