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Ärzte Zeitung online, 11.01.2018

Neue Daten, neue Schätzung

Nach Abdominal-Op hat jeder zehnte Vorhofflimmern

Bei schätzungsweise mindestens jedem zehnten Patienten mit einem bauchchirurgischen Eingriff tritt nach der Operation ein Vorhofflimmern auf. Hinweise darauf liefert eine Auswertung von 13 Untersuchungen.

Von Peter Leiner

Nach Abdominal-Op hat jeder zehnte Vorhofflimmern

Operation am Abdomen: Brittische Wissenschaftler ermittelten eine Inzidenz von Vorhofflimmerns von fast elf Prozent nach solchen Eingriffen.

© gpointstudio / stock.adobe.com

WISHAW. Die Inzidenz von Vorhofflimmern nach thorakalen Eingriffen wird mit 16 bis 30 Prozent beziffert. Wie hoch sie bei Patienten ohne Herzerkrankungen in der Anamnese nach einer Abdominal- beziehungsweise Ösophagus-Operation ist, konnte man bisher schwer abschätzen.

Deshalb haben Chirurgen und Kardiologen unter anderem vom Allgemeinkrankenhaus in Wishaw in Großbritannien mithilfe von drei Datenbanken wissenschaftliche Publikationen ausgewertet (Anaesthesia 2017; online 4. November).

Von ursprünglich mehr als 800 Berichten zu Vorhofflimmern nach abdominalchirurgischen Eingriffen genügten schließlich 13 Studien mit fast 53.000 Patienten den gewählten Einschlusskriterien. Die meisten Studien wurden in den USA gemacht, in fünf Studien wurden ausschließlich Ösophagektomien vorgenommen.

Außer einer prospektiven Kohorten- und einer prospektiven Beobachtungsstudie handelte es sich bei allen anderen Studien um retrospektive Untersuchungen. Primärer Endpunkt war die Inzidenz von Vorhofflimmern, sekundäre Endpunkte unter anderem der Anteil von symptomatischem Vorhofflimmern und Risikofaktoren für solche Rhythmusstörungen.

Daten von 5.2959 Patienten

Risikofaktoren für Vorhofflimmern

Folgende mögliche Risikofaktoren für Vorhofflimmern nach Op identifizierten die Forscher:

  • Höheres Alter
  • Herzerkrankung in der Anamnese
  • Postoperative Komplikationen, vor allem Sepsis, Pneumonie und Pleuraerguss

Von den 52.959 Patienten entwickelten nach Angaben der Ärzte 3305 ein Vorhofflimmern, und zwar diagnostiziert mithilfe eines 12-Kanal-EKGs (Einfach- oder Langzeitmessung) innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff. Allerdings bestand eine große Heterogenität zwischen den Studien hinsichtlich der Häufigkeit und der Art des EKG-Monitorings.

Durch die Auswertung gepoolter Daten ermittelten sie eine Inzidenz des Vorhofflimmerns von 10,94 Prozent (95%-Konfidenzintervall: 7,22–15,33 Prozent). Wurden nur jene Studien berücksichtigt, in denen ausschließlich eine Ösophagektomie vorgenommen worden war, dann wurde bei 376 von 1933 Patienten ein Vorhofflimmern diagnostiziert.

Daraus ermittelten die Autoren eine Inzidenz von 17,7 Prozent (95%-Konfidenzintervall: 12,2–21,5 Prozent). Ihre Hypothese: Der Eingriff war mehrheitlich thorakal.

Fassten sie schließlich nur die übrigen acht Studien zusammen, ergab sich eine Inzidenz von 7,63 Prozent (95%-Konfidenzintervall: 4,39–11,98 Prozent). Als mögliche Risikofaktoren für die Rhythmusstörung seien in den Studien ein höheres Alter, eine Herzerkrankung in der Anamnese sowie postoperative Komplikationen, vor allem Sepsis, Pneumonie und Pleuraerguss beobachtet worden.

Verzerrungen wahrscheinlich

Die Studienärzte weisen allerdings auf eine hohe Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen hin. So seien zum Beispiel die Definition und die Messung des präoperativen Vorhofflimmerns zwischen den 13 Studien nicht einheitlich gewesen.

Zudem seien multivariate Analysen nur selten vorgenommen worden. Weil nur zwei Untersuchungen ein prospektives Design gehabt hätten, sei schließlich der Evidenzgrad niedrig gewesen. Die ermittelte Inzidenz von knapp 11 Prozent sei daher eine eher konservative Schätzung.

Werte noch höher?

Wegen der paroxysmalen Natur des Vorhofflimmerns und des hohen Detektionsbias sei realistischerweise mit einem höheren Wert zu rechnen. Um die wahre Inzidenz ermitteln zu können, sei es nötig, Patienten ohne Vorhofflimmern ambulant präoperativ zu screenen.

Schließlich sollte eine kardiale Überwachung nach dem chirurgischen Eingriff über einen längeren Zeitraum erfolgen, am besten schon während des stationären Aufenthalts.

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