Ärzte Zeitung online, 21.02.2018

Studie

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Vorhofflimmern ist nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall, sondern die Rhythmusstörung ist offenbar auch für das Gehirn gefährlich: Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind unter den Betroffenen verbreitet, so eine Studie.

Von Robert Bublak

Führt Vorhofflimmern zu kognitiven Einbußen?

Vorhofflimmern: Vermindern die unregelmäßigen Ventrikelkontraktionen die zerebrale Perfusion?

© hriana / Fotolia

VILNIUS. Im Management von Patienten mit Vorhofflimmern steht die Prävention von Schlaganfällen weit oben auf der Agenda. Kommt es zu ischämischen Läsionen im Gehirn, kann eine progressive Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten die naheliegende Folge sein.

Wenig ist allerdings darüber bekannt, welchen Einfluss das Vorhofflimmern für sich genommen, speziell in Abwesenheit von Bluthochdruck, auf die geistigen Funktionen hat.

Mini-Mental-Status-Test

Ergebnisse der kontrollierten Studie

  • Das Ergebnis im Mini-Mental-Status-Test der Patienten mit flimmernden Vorhöfen lag im Mittel bei 27,6 (von im Optimalfall 30) Punkten, in der Kontrollgruppe bei 29,5 Punkten.

  • Eine Angststörung war bei 67 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern und bei 27 Prozent der Kontrollpersonen zu diagnostizieren.

Rokas Serpytis vom Zentrum für Kardiologie und Angiologie der Universität Vilnius hat den Einfluss von Vorhofflimmern auf die kognitiven Funktionen, auf die psychische Situation und die Lebensqualität allgemein untersucht (Am J Med, online 4. Februar 2018).

Zusammen mit einer Arbeitsgruppe hat er 60 normotone Probanden im Alter von 55 Jahren und älter in eine Studie aufgenommen. 30 von ihnen litten seit mindestens fünf Jahren an Vorhofflimmern – 27 Prozent wiesen die paroxysmale, 63 Prozent die persistierende und 10 Prozent die permanente Variante der Rhythmusstörung auf. Die übrigen 30 Studienteilnehmer waren gesund und dienten als Kontrollgruppe.

Zwischen den beiden Gruppen taten sich signifikante Unterschiede auf. Das Ergebnis im Mini-Mental-Status-Test der Patienten mit flimmernden Vorhöfen lag im Mittel bei 27,6 (von im Optimalfall 30) Punkten im Vergleich zu 29,5 Punkten in der Kontrollgruppe. Bei 67 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern und 27 Prozent der Kontrollen war eine Angststörung zu diagnostizieren.

Und auch bei der Lebensqualität waren die herzkranken Patienten im Nachteil. Der Wert, den sie auf der Skala des Fragebogens "Heart Quality of Life" erzielten, lag bei 1,4; ein Wert von 0 ist hier mit einer schlechten, ein Wert von 3 mit einer guten Lebensqualität gleichzusetzen.

 Die Kontrollen erreichten eine durchschnittliche Punktzahl von 2,6. Betrachtete man nur die physische Komponente, betrugen die Werte 1,4 beziehungsweise 2,8. Auf der emotionalen Subskala wurden 1,4 beziehungsweise 2,2 Punkte erzielt.

Hyperkoagulabilität

Keine signifikanten Differenzen waren mit Blick auf die Impulsivität und das Vorliegen von Depressionen zu erkennen.

Um zu erklären, auf welche Weise Vorhofflimmern die Kognition beeinträchtigen kann, verweisen Serpytis und seine Mitarbeiter zum einen darauf, dass die Rhythmusstörung mit einer Hyperkoagulabilität einhergeht.

So können vom linken Vorhof aus Mikrothromben in die zerebrale Zirkulation gelangen und dort subklinische Embolien und stumme Infarkte verursachen. Aber auch ohne solche Ereignisse könne Vorhofflimmern einen geistigen Abbau bewirken, weil durch die unregelmäßigen Ventrikelkontraktionen womöglich der kardiale Output und damit die zerebrale Perfusion vermindert seien.

Reduzierte Lebensqualität

Fazit der Studie: Patienten mit Vorhofflimmern weisen gegenüber gesunden Kontrollpersonen geistige Einschränkungen auf, sie haben häufiger Angststörungen und eine reduzierte Lebensqualität. Neben der Insultprävention sollte man daher bei der Betreuung von Patienten mit Vorhofflimmern die (neuro-)psychologischen Aspekte nicht außer Acht lassen.

Die litauische Studie weist jedoch einige Mängel auf: So war die Zahl der Teilnehmer gering. Und die Ergebnisse können nur eine Korrelation, aber keine Kausalität belegen.

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